Lagunenroute

Lagunenroute

Die Lagunenroute ist ein Abschnitt von der chilenischen Grenze oberhalb von San Pedro de Atacama durch eine wüstenartige Landschaft die immer wieder von diversen Lagunen unterbrochen wird bis etwa 100 km südlich von Uyuni führt. Es gibt keine Straßen im eigentlichen Sinne, sondern viele Sandpisten die auch immer mal wieder woanders lang führen. Je nach Bedingungen. Bei meinen ersten Recherchen zu dieser Route war ich skeptisch, ob das mit Pedro machbar ist. Doch immer wieder haben wir von Leuten gehört die auch mit Zweiradfahrzeugen diese Strecke gefahren sind. Zumindest die Hauptroute. Als zusätzliche Herausforderung kommt für Pedro noch dazu, dass seine 87 PS auf dieser Höhe auf etwa 50 PS schrumpfen. Und das bei inzwischen gut 3.600 kg Fahrgewicht. Aber wir wollen es auf jeden Fall versuchen hier zu fahren und gemeinsam mit Katja und Julian in ihrem Berry sind wir dann ja auch nicht ganz alleine unterwegs, wenn etwas schiefgehen sollte. Außerdem fahren hier auch sehr viele geführte Touren mit ihren Allradfahrzeugen durch die Gegend.

Auf nach Bolivien

Am nächsten Morgen starten wir nach dem Frühstück in Richtung Bolivien, dem vierten Land auf unserer Südamerikareise, während Julian und Katja nochmal runter nach San Pedro fahren um dort ihren Dieselpartikelfilter durch eine schnelle Fahrt im flachen nochmal zu reinigen. Danach geht es dann eine ganze Weile nur noch in Höhen zwischen 3.700 n und 5.000 m weiter. Wir fahren weiter hoch und treffen uns dann später an einer der ersten Lagunen wieder.

Die Grenzformalitäten bei der Ausreise aus Chile sind schnell erledigt. Für die Einreise nach Bolivien einige km später müssen wir am Grenzposten erstmal den Eingang suchen bis uns der zuständige Beamte öffnet. Unsere Einreise ist dann auch schnell erledigt, aber Pedro muss ein paar km weiter dann noch durch den Zoll.

Da wird es dann etwas komplizierter. Was wir alles dabei haben will der Beamte wissen. Naja, einen ganzen Camper voller Kram. Kleidung, Werkzeug, Camping und Wanderausrüstung, Fahrräder, Hochtourenausrüstung, Gleitschirme… Was? Gleitschirme? Wie sehen die den aus? Was genau machen wir damit? Aus Flugzeugen springen? Das geht aber nicht. Ok, wir packen die Flugausrüstung aus und zeigen im die Packsäcke. Dazu zeigen wir ihm Bilder vom Fliegen und erklären, dass wir von Bergen starten und nicht aus Flugzeugen springen. Zum Glück will er nicht, dass wir die Schirme hier auch noch aus den Packsäcken holen. Am Ende dürfen wir einreisen und unser Flugequipment wird noch extra mit vermerkt, damit wir damit auch wieder ausreisen können.

Nach der Grenze geht’s erstmal vorbei an der Laguna Blanca und dann ein paar km weiter in Richtung Laguna Verde. Bei einem alten Thermalbad auf dem Weg zur Laguna Verde ´, bzw. den Ruinen des ehemaligen Bades, wollen wir Katja und Julian wieder treffen.

Als wir ankomme treffen wir noch ein holländisches Pärchen die mit ihrer Katze im kleinen Camper unterwegs sind. Die beiden empfehlen uns unbedingt noch zur Laguna Verde zu fahren. Die Piste, die schon bis hierher ziemlich spannend war, ist wohl auch bis dahin für uns machbar meinen sie.

Als Katja und Julian dann kommen fahren wir gemeinsam weiter bis zur grünen Lagune. Wir haben zwar seit Salta deutlich mehr Bodenfreiheit, aber ein richtiges Geländefahrzeug ist Pedro leider trotzdem nicht. Die Pisten sind ziemlich ausgefahren und wenn wir in der Spur fahren würden, würden wir in der Mitte aufsitzen und hängenbleiben. Also fahre ich die ganze Zeit mit einer Seite auf der erhöhten Mitte der Spur und mit der andren neben der Spur. Es ist ein balancieren auf dem Sand und man darf nie vom Gas gehen sonst bleiben wir sicher stehen. Dazwischen kommen aber zum Glück auch härtere und flachere Abschnitte die man einfach fahren kann.

Die Laguna Verde, die grüne Lagune, ist dann zwar tatsächlich ganz schön, aber da im Moment, also im Winter, keine Flamingos oder andere Tiere hier sind, ist es jetzt auch nicht so umwerfend, dass wir lange hierbleiben. Nach einem kleinen Spaziergang machen wir uns also wieder auf den Rückweg über den weichen Sand um wieder zur eigentlichen Hauptroute zu kommen. Dieser Abschnitt ist bisher einer der fahrtechnisch spannendsten auf der Reise und wir sind zwar erstaunt was unser Pedro doch alles fahren kann, müssen sowas aber nicht unbedingt ständig haben. Ein kleiner Fahrfehler und schon ist stundenlanges buddeln angesagt. So sind wir froh als wir dann wieder auf der „Hauptstraße“ sind. Auch nur eine eher schlechte Sandkiste, aber deutlich besser zu befahren als die Streck gerade eben.

Wir haben heute noch ein spezielles Ziel. Bei der Laguna Chalviri gibt es ein schönes Thermalbecken. Wir wollen da heute Abend drin liegen und die Sterne beobachten. Und dazu ist ein Glühwein geplant. Wir haben noch etwas Glühweingewürz von Weihnachten und Julian und Katja einen günstigen Glühwein. Also fahren wir, unterbrochen von ein paar Fotostopps z.B. bei der Desierto Salvador Dali, nach Chalviri. Hier ist ein kleines, aktuell geschlossenes, Restaurant, ein Kiosk und die zwei Thermalbecken im Freien. Weiter hinten gibt es noch ein paar Hostels und als wir nach dem Abendessen ins Wasser gehen staunen wir dann doch etwas, als plötzlich um die zwanzig Leute um uns rum in den Becken sind. Aber es ist genug Platz für alle und wir genießen den Abend im warmen Wasser mit Glühwein. Das Ganze ist fast weihnachtlicher als unser letztes Weihnachten im Torres del Paine Nationalpark.

Am nächsten Morgen wollen wir nach einem beeindruckenden Sonnenaufgang weiter zu den Sol den Mañana fahren. Einem großen, sehr aktiven Vulkanfeld. Der Weg dahin geht auf fast 5.000 m hoch und die Straße soll in einem sehr schlechten Zustand sein. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob Pedro das schaffen kann, aber wir wollen es auf jeden Fall probieren. Die Strecke ist aber zum Glück gar nicht so schlecht wie befürchtet und vor allem nicht so steil. Pedro schafft es relativ gut rauf und nach etwas mehr als 20 km sind wir dann an der Kreuzung die zu dem Blubberfeld führt. Wir machen erstmal Mittagspause bevor wir dann zu Fuß zu dem „Geysirfeld“ gehen. Hier wird alles was vulkanisch aktiv ist mit Geysiren bezeichnet, es handelt sich aber mehr um eine große Fläche mit vielen sehr heißen Wasser und Schwefelbecken. Wir laufen ca. 3 km quer durch das Feld. Überall blubbert und qualmt es und man spürt auch unter den Füßen im Boden, dass hier einiges an Energie im Boden steckt. Wir sind super beeindruckt und lassen uns viel Zeit alles in Ruhe anzusehen. Zum Abschluss kommen wir noch an einem kleinen Loch vorbei aus dem Wasserdampf mit viel Druck hochschießt. Wir machen uns noch einen Spaß daraus, Steine in den Dampfstrahler zu werfen. Wenn man gut trifft werden die einige Meter hoch geschleudert.

Danach geht’s dann zurück zu den Autos und weiter zur Laguna Colorada bei der wir kurz vor Sonnenuntergang ankommen.

Die Laguna Colorada

Wieder erwarten treffen wir bei der Laguna Colorada einige Flamingos an. Also einige tausend um genau zu sein. Wir erfahren von einem der wenigen Leute, die hier wohnen, dass die Flamingos hier zum einen das ganze Jahr problemlos genug zu fressen bekommen und zum anderen die Laguna auch auf Grund einiger warmer Zuflüsse nie richtig kalt wird. So bleiben die hier heimischen Flamingos im Gegensatz zu ihren Kollegen aus den anderen Lagunen das ganze Jahr über hier.

Schon nach der Ankunft am Abend laufen wir los und machen einen kleinen Spaziergang über die Halbinsel an deren Rand wir auch ganz offiziell übernachten dürfen. Später gibt’s dann Reiberdatschi (auch Kartoffelpuffer genannt) in Berry. Julian hat sich voll ins Zeug gelegt und eine riesen Portion für uns vier gemacht.

Am Morgen laufen wir mit der kompletten Fotoausrüstung los um ein paar Bilder zu machen. Aus ein paar Bildern werden schnell ein paar Hundert. Es ist super spannend diese Unmengen an Flamingos hier zu sehen. Und die Laguna ist auf Grund ihres hohen Mineralstoffgehaltes und einer speziellen Algenart nicht einfach eine weitere Lagune auf dem Weg, sondern die Oberfläche schimmert richtig schön rot im Sonnenlicht. Daher auch der Name: farbige Lagune.

Nach einer Weile wird klar, dass wir hier so schnell nicht wieder wegkommen. Es ist einfach zu spannend den ganzen Flamingos zuzusehen wie sie in Gruppen in der Laguna rumstehen und fressen oder immer wieder ihre weiten Flügel ausbreiten und auch bei zum Teil sehr starken Winden losfliegen um an einem anderen Platz weiter nach Fressen zu suchen. Julian und Katja geht es nicht viel anders und so beschließen wir hier eine weitere Nacht zu bleiben. Diesmal koche ich. Pedro wird heute Abend zur Pizzabäckerei und wir essen Pizza und quatschen noch eine ganze Weile.

Straßenbau auf fast 5.000 m Höhe

Von der Laguna Colorada aus wollen wir am nächsten Morgen zunächst zu deren Ostufer und dann in Richtung Norden weiter in Richtung der Laguna Capina und schließlich zum kleinen Dorf Villa Mar. Dem ersten richtigen Ort für uns in Bolivien.

Die Strecke führt aber im Gegensatz zu der auf der Karte angezeigten Piste immer mehr in Richtung Osten. Andere Routen sehen wir nicht. Also fahren wir da mal weiter, in der Hoffnung dann später wieder auf eine andere mehr befahrene Route in Richtung Norden zu stoßen. Es gibt immer wieder längere, sehr sandige Abschnitte. Hier darf man auf keinen Fall vom Gas gehen sonst bleibt man im weichen Sand schnell stehen und stecken. Aber mit Pedro ist das immer so eine Sache, mal eben das Gas durchtreten quittiert er mit einem ganz langsamen Beschleunigen, oder oft auch mit einem nicht ganz so schnellen langsamer werden. An einer Stelle schaffe ich es gerade noch in den zweiten Gang zu schalten und durch den weichen Abschnitt zu fahren. Julian muss aber hinter mir bremsen und schon hängt Berry im Sand fest.

Ok, dann ist jetzt erstmal arbeiten angesagt. Wir haben einen kleinen Klappspaten und eine größere Lawinenschaufel. Julian und Katja habe auch einen Klappspaten und zwei Sandbleche. Zu viert schaufeln wir die Spur vor Berry frei und schieben die Sandbleche (genau genommen sind es Plastik-Anfahrhilfen) unter die Reifen. Katja fährt an, wir anderen drei schieben hinten noch. Nach einer halben Stunde ist Berry wieder frei und wir können weiter. Ein paar Kilometer weiter geht die Piste nach Osten etwas bergauf. Nicht viel, aber in Kombination mit dem weichen Untergrund zu viel für Pedro. Berry schafft es gerade so nach oben in den flacheren Bereich mit dem besseren Untergrund, wir bleiben hängen. Wir fahren etwas zurück und probieren es auf einer anderen Piste ein paar Meter weiter rechts, aber das wird nichts. Mist. Wenn wir hier nicht weiter kommen müssen wir zurück bis zu den Sol de la Mañana. Von da könnten wir auf die andere Piste, die angeblich deutlich besser ist. Aber erstmal müssen wir es so probieren.

Mit Hilfe unserer Schaufeln und vielen flachen Steinen präparieren, oder besser gesagt pflastern wir die Piste. Nach einer guten Stunde ist es soweit. Ich fahre mit Pedro weit zurück um Schwung zu holen. Dann geht’s hoch. Motor auf Vollgas, die Kupplung langsam kommen lassen und im ersten Gang so viel Schwung wie möglich nehmen. An den zweiten Gang ist hier gar nicht erst zu denken und im ersten fahre ich mit vielleicht zwanzig km/h in Richtung unserer neu gepflasterten Piste. Ich komme auch deutlich höher als beim ersten Mal, irgendwann wird es aber schwierig, Pedro auf den Steinen zu halten und schließlich steckt er wieder fest.

Wir legen die Sandbleche von Katja und Julian vor Pedro und präparieren die nächsten paar Meter wieder neu. Mit viel Gas und einer ziemlich stinkenden Kupplung komme ich schließlich ein paar Meter weiter. Das wiederholen wir noch ein paarmal und schließlich, nach über zwei Stunden Knochenarbeit in fast 5.000 m Höhe haben wir es geschafft und Pedro ist oben bei Berry.

Delphine und ich sind sehr froh, dass wir mit Julian und Katja nicht nur zwei gute Helfer dabeihaben, sondern diese es auch noch mit Humor nehmen. Doch wir haben immer noch mehr als zehn Kilometer vor uns bis zu der besseren Piste. Hoffentlich müssen wir nicht noch öfter buddeln.

Im Valle de Roca

Aber die nächsten Kilometer sind nicht mehr ganz so schlimm. Ein paar Mal ist es etwas knapp, aber wir kommen ohne weitere Zwischenstopps durch und erreichen die bessere Piste. Die führt uns nochmal auf fast 5.000 m Höhe rauf und dann schließlich zur Laguna Capina wo wir die nächste Nacht verbringen. Von da an geht´s am nächsten Morgen zunächst nach Villa Mar und dann weiter in Richtung Uyuni. Mittags wollen wir eine Pause beim Valle de Rocas machen. Hier stehen superschöne Felstürme in der Wüste und wir packen die Tische und Stühle aus und machen es uns gemütlich. Später kommt och Christian aus Österreich dazu. ER ist mit dem Motorrad von Peru aus gestartet. Eigentlich ist er Radfahrer und hat schon gut 150.000 km in Afrika und Asien pedaliert, aber in Südamerika probiert er es mal mit Motor.

Wir merken ziemlich schnell, dass wir hier länger bleiben wollen und so wird aus der Mittagspause eine Nacht bei den schönen Felsen. Wir machen am Nachmittag schon mal einen langen Spaziergang durch die Felsen und klettern auch auf den einen oder anderen hoch. Dazwischen füttern wir ein paar gar nicht scheue Viscachas mit Karrottenschalen. Am Abend, als der Vollmond aufgegangen ist, klettern Julian, Delphine und ich nochmal auf den Turm direkt neben Pedro und bestaunen den Blick über die Wüste und die Berge.

Am nächsten Morgen fahren wir dann die letzten Kilometer Sandpiste bis wir schließlich die asphaltierte Straße nach Uyuni erreichen. Da wird dann wieder die Luft in den Reifen auf vollen Druck gebracht und dann geht’s endlich mal wieder über glatte Straßen weiter. Julian und Katja düsen schon mal voraus, wir sind hier deutlich langsamer unterwegs.

Ungefähr hundert Kilometer vor Uyuni steht eine dreiköpfige Familie am Straßenrand und winkt uns. Wir denken, sie wollen trampen und halten an. Die drei schauen etwas erstaunt als wir Pedros Schiebetür öffnen und fragen, ob wir in Richtung Uyuni fahren. Wir bejahen und sie fahren mit uns mit. Unterwegs wollen sie in einer kleinen Stadt zum Markt und wir fahren sie direkt dahin, in der Annahme, dass wir dann alleine weiter nach Uyuni fahren. Aber als wir weiter wollen fragen sie, ob wir denn kein Mittagessen wollen. Nein, wir wollen eigentlich direkt weiter. Am Ende besorgen sie sich schnell was zu Essen und fahren dann weiter mit uns mit. Uns kommt das ganze etwas komisch vor, da wir dachten, dass sie öfter per Autostopp unterwegs sind und dann ja mit jemand andrem weiterfahren könnten. Aber als sie schließlich in Uyuni aussteigen und uns Geld für die Fahrt geben wollen dämmert uns, dass sie uns vielleicht mit einem der hier üblichen Collectivos, also einer Art Sammeltaxi verwechselt haben.

In Uyuni angekommen müssen wir erstmal was essen. Am Straßenrand gibt es einige Frauen, die warmes Essen aus großen Handwägen verkaufen. Bis auf eine sind aber schon alle am Einpacken. Diese eine schaut so böse und gelangweilt, als wenn sie uns am liebsten sofort wieder wegschicken würde, aber trotzdem bekommen wir von ihr ein warmes Mittagessen. Sie holt den Reis und das leckere Linsengemüse unter vielen Bettdecken hervor unter denen es warmgehalten wird. Als wir sitzen kommen noch weitere Kunden. Unsere Köchin schaut alle ähnlich böse an, es hat wohl nichts mit uns zu tun gehabt. Und die anderen Gäste setzen sich ohne zu grüßen neben uns und essen. Hm, ist das so in Bolivien? Wir sind etwas irritiert. Aber zum Glück wird sich bald herausstellen, dass die Menschen hier auf dem Altiplano zwar etwas zurückhaltend, aber grundsätzlich sehr nett und hilfsbereit sind.

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