Durch den Osten Boliviens zurück nach Chile

Durch den Osten Boliviens zurück nach Chile

Wir haben noch etwa einen Monat Zeit, bevor unsere neunzig Tage Aufenthaltsdauer für Bolivien ablaufen. In der Zeit wollen wir über die Yungas und das Amazonasgebiet nach Santa Cruz de la Sierra und durch die Städte Sucre und Potosi wieder zurück ins bolivianische Altiplano. Von da an soll es dann wieder über die Grenze nach Chile gehen.

In Chile wollen wir dann in die Hafenstadt Iquique, die unter Gleitschirmfliegern für die ganzjährig guten Flugbedingungen bekannt ist und da erstmal für ein paar Wochen Pause machen und Gleitschirmfliegen.

Straßenblockaden in den Yungas

Von La Paz aus geht es erstmal runter in die Yungas. Wir kennen den ersten Teil der Straße ja bereits und freuen uns darauf nochmal aus dem Hochgebirge in den Dschungel runter zu fahren. Vor ein paar Wochen sind wir die Strecke über den Choro Trail runter gelaufen und später mit dem Taxi wieder hoch. Zuerst müssen wir aber mal durch La Paz raus und dann geht es noch ein ganzes Stück rauf bevor wir die Passhöhe auf fast 5.000 m Höher erreichen. Von jetzt an geht’s bergab. Und zwar ganz schön weit. Wir fahren über 3.000 Höhenmeter runter. Zum Glück meist mit der Motorbremse, aber wir haben trotzdem die Temperatur der Reifen und der Bremsen immer im Blick. Die Bremsen von Pedro sind nicht dafür gemacht so lange Strecken völlig überladen runter zu fahren. Aber ein paar kurze Stopps zum Abkühlen genügen und bevor wir ganz unten sind wird es eh Nacht und wir suchen uns auf einer Nebenstraße einen Platz zum Schlafen.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter runter und anschließend über viele kleine Berge auf Lehmstraßen in Richtung Yucumo.

Wir wollten eigentlich in Yucumo gerne Richtung Norden nach Rurrenabaque abbiegen und dort eine Tour in den Dschungel machen. Aber leider gibt es in der Gegend gerade sehr viele Buschfeuer und die Luft ist extrem voller Rauch. Außerdem haben einige einheimische Gruppen mit Straßenblockaden der Gegend gedroht, wenn die Feuer nicht vom Staat bekämpft werden. Da wir nicht mehr so viel Zeit für Bolivien haben möchten wir nicht riskieren mehrere Tage in Rurrenabaque fest zu sitzen und beschließen diesen Ausflug lieber nicht zu machen.

Trotzdem landen wir kurz vor Yucumo im Stau. Straßenblockade. Es ist zwei Uhr nachmittags und wir haben noch Hoffnung, dass die Blockade vor dem Abend aufgehoben wird, aber es vergeht Stunde um Stunde und auch die LKW-Fahrer die mit uns hier warten glauben langsam nicht mehr, dass es heute noch was wird. Einige von ihnen warten schon seit gestern auf die Öffnung.

Die Straßenblockaden sind ein übliches Mittel in Bolivien um Druck auf die Regierung auszuüben. In manchen Fällen ist es auch die einzige Möglichkeit der Bevölkerung sich gegen große Konzerne und den Staat zur Wehr zu setzen. Aber in vielen Fällen wird es auch einfach ausgenutzt um irgendwelche Kleinigkeiten zu fordern ohne das erstmal auf anderem Wege zu versuchen.

Hier geht es darum, dass der Staat den Bezirksverwaltungen die Kontrolle für die Buschfeuer entzogen hat. Das heißt, wenn der Urwald brennt muss die Hilfe zentral von La Paz aus koordiniert werden, was in der Praxis unmöglich ist, weil keiner dort die örtlichen Gegebenheiten kennt. So brennen die Buschfeuer dieses Jahr besonders groß und Regen ist aktuell auch keiner in Sicht. Die Feuer werden zum Teil von Konzernen und zum Teil von Privatleuten gelegt. Die Konzerne schaffen sich so größere Flächen für die Landwirtschaft. Privatleute brennen oft auch Flächen in Nationalparks ab um nachher dort ihre Häuser zu bauen. Wenn der Busch erstmal abgebrannt ist gibt es ja nichts mehr zu schützen so die Logik und dann kann man dort einfach bauen. Eine fatale Entwicklung für viele Naturschutzgebiete und den Dschungel.

Wie auch immer, die einheimischen hier nehmen die Blockade sehr gelassen hin. Wer im Auto da ist dreht irgendwann um und fährt zurück in die nächste Stadt. Die LKW-Fahrer liegen unter ihren Fahrzeugen auf der Straße oder spannen ihre Hängematten unter ihre Trucks und warten. Ein bisschen dieser Gelassenheit könnte man sich oft auch in Deutschland wünschen wo schon eine halbe Stunde Blockade von Klimaklebern zum ausrasten von manchen führt. Hier geht es schon mal um Blockaden von mehr als 24 Stunden.

Wir machen das beste aus der Pause. Essen, faulenzen und staunen über den Krach, denn die diversen Tiere, allen voran die Zikaden, im Busch um uns herum machen.

Schließlich schlafen wir in der Blockade und wachen immer wieder von vorbeifahrenden Autos auf. Aber wirklich weiter geht nichts. Erst um sechs Uhr früh kommt dann wirklich Bewegung in die Schlage und es geht tatsächlich weiter.

Auf der anderen Seite von Yucumo haben Sharmayne und Jonas gleichzeitig mit uns gewartet. Die beiden waren in Rurrenabaque und wollen jetzt in die gleiche Richtung weiter wie wir. Allerdings etwas schneller, weil sie nur noch drei Monate Reisezeit haben und in dieser Zeit noch bis Patagonien und wieder zurück nach Santiago de Chile wollen.

Wir verabreden und kurz hinter Yucumo zum Frühstück und freuen uns die beiden wieder zu treffen. Es gibt ein schönes Frühstück auf dem örtlichen Fußballplatz und danach fahren wir gemeinsam weiter in Richtung Trinidad. Unterwegs machen wir einen kurzen halt um Flussdelfine zu sehen. Und tatsächlich tauchen nach einer Weile die rosa Flossen der Delfine aus dem trüben Wasser auf. Mehr bekommen wir leider nicht zu sehen.

Als wir weiterfahren erwischt uns ein gewaltiger Regenschauer. Erstmal nicht so schlimm, aber nach einer Weile hört der asphaltierte Teil der Straße auf und sie wird zur Sandstraße. Also jetzt zur Matschstraße.

Der Matsch ist nicht tief, aber unglaublich rutschig. Wir fahren ein Stück weit und Pedro rutscht auf der schiefen Straße immer wieder zur Seite. Jonas und Sharmayne haben es mit ihrem Heckantrieb nicht einfacher. Die Straße ist wie mit Butter beschmiert. Es ist fast schlimmer als richtig fieses Glatteis. Auch zu Fuß rutscht man sehr schnell aus.

Nach einer Weile steige ich aus und lege unsere Schneeketten an. Damit geht es viel besser, aber meine Füße sind jetzt schon mal gewaltige Schlammklumpen. Um uns herum wird das Chaos auch immer größer. Alle versuchen irgendwie vorwärts zu kommen. Viele einfach indem sie Vollgas geben, durchdrehen und ziemlich unkontrolliert durch die Gegend rutschen. Wir versuchen Jonas und Sharmayne abzuschleppen, aber dadurch wird Pedro auf der leicht schiefen Straße immer mehr nach außen gedrängt und die Ketten halten ihn nicht genug. Also probieren wir es mit schieben, Matsch weggraben und wieder schieben. Sharmayne und ich sind draußen im Matsch, Jonas und Delphine jeweils in den Autos. Damit wenigstens einer je Team sauber bleibt und das Auto fahren kann.

Ich falle bei der ganzen Aktion auf dem unglaublich schmierigen Untergrund auch noch ein paar Mal richtig schön in den Dreck und bin irgendwann überall voll vom Matsch. Schließlich wird es irgendwann dunkel und wir sehen keine Chance heute noch aus diesem Mist raus zu kommen. Wir schaffen es Das Auto von den beiden stückchenweise auf die rechte Straßenseite zu bugsieren wo es halbwegs eben ist und die anderen Autos an uns vorbeikommen. Da ist dann erstmal Feierabend. Wir sind alle ganz schön fertig und froh, dass wir unsere „Häuser“ dabeihaben. Da können wir erstmal Abendessen und dann noch ein Feierabendbier genießen. Die letzten Stunden waren dann doch ganz schön anstrengend.

Einige andere Fahrzeuge, vor allem LKWs übernachten auch hier. Wir sehen aber auch noch viele Autos und auch große Reisebusse, die in waghalsigen Manövern über die Straße schlittern und irgendwie immer wieder knapp an der Böschung vorbeirutschen. Am nächsten Morgen ist die Straße dann schon deutlich trockener und wir können recht entspannt weiterfahren bis zur Fähre über den Rio Mamore.

Die Fähre, bzw. die Fähren – es sind bestimmt mehr als zehn hier – ist dann gleich nochmal ein kleines Abenteuer für sich. Also eigentlich ist nicht viel dabei, es ist halt eine Fähre die auch schwer beladene LKWs und Reisebusse über den Fluss bringt. Aber die ist aus Holz und ziemlich wild zusammengebaut. Angetrieben wird sie durch ein angehängtes Holzboot mit Außenborder das die Fähre mal schiebt, mal zieht und irgendwie auf dem geplanten Weg über den Fluss bringt. Da geht es dann nochmal eine recht steile Rampe durch den Dreck hoch und dann sind wir wieder auf der Straße.

Gemeinsam mit Sharmayne und Jonas fahren wir noch nach Trinidad, suchen dort im Park – leider vergeblich –  nach Faultieren und essen gemeinsam Mittag. Dann heißt es Abschied nehmen. Wir wollen von hier aus noch ein paar Tage in den Dschungel nördlich von Trinidad, die beiden wollen auf direktem Weg nach Argentinien und dort runter nach Patagonien. Aber es war sehr schön sie in Bolivien kennen zu lernen und hier auch nochmal zu treffen. Und hoffentlich gibt es irgendwann ein Wiedersehen in Deutschland.

Im Dschungel

Wir fahren weiter nach Norden zur Ecolodge Chuchini. Eine Art Hostel im Dschungel. Auf dem Weg bleiben wir nochmal im Matsch stecken und sind dann ganz froh, als wir von Miriam aus der Schweiz in Chuchini begrüßt werden. Sie war vor einigen Jahren selbst zu Besuch hier, hat sich in den Sohn der Betreiberfamilie verliebt und ist irgendwann schließlich dauerhaft hierhergekommen und betreibt das ganze jetzt mit ihrem Mann.

Das Grundstück der Lodge ist riesig und so bieten sie seit einer Weile auch die Möglichkeit an, dass Camper auf einer der Wiesen stehen können. Daneben gibt es einige Gästehäuser, eine große Küche und ein paar mehr oder weniger offene Gebäude die vor allem dem Moskitoschutz dienen. Der Rest ist eine Freifläche an einer lang gezogenen Lagune die ein paar Meter tiefer als die Wohngebäude liegt. Auf dem Grundstück gibt es außerdem einen großen Aussichtsturm und jede Menge Mangobäume von denen gerade ständig reife Mangos fallen. Ich esse gleich mal zehn der süßen Früchte und beschließe, eine Mangodiät zu machen.

In der Regenzeit ist das Ganze hier eine Insel, die nur mit dem Boot erreichbar ist. Aber die Regenzeit fängt langsam erst an und im Moment kann man die Straße hierher noch ganz gut befahren sofern es nicht regnet. Auf der Lagune kann man auch mit Tretbooten fahren. Nur schwimmen sollte man besser nicht. Es gibt haufenweise Krokodile und Kaimane hier.

Als wir ankommen sehen wir schon ein bekanntes Auto auf der Wiese stehen. Nicole und Pit aus der Schweiz sind auch da. Die beiden haben wir schon in Sajama getroffen und kurz mit ihnen gesprochen. Hier lernen wir sie jetzt etwas näher kennen.

Wir verbringen viel Zeit damit, mit den Hunden und dem zur Lodge gehörigen Affen zu spielen und beobachten außerdem die unzähligen Papageien die hier oft herumfliegen. Der kleine Affe hat bevor er hierherkam in einer Familie als Haustier gelebt. Hier soll er ausgewildert werden, kommt aber immer wieder zurück. Gemeinsam mit einem der Hunde zieht er immer über das Grundstück und springt mit Vorliebe Touristen an und beißt sie überall wo er hinkommt. Trotzdem ist der kleine ganz schön lustig.

Am zweiten Abend machen wir gemeinsam mit unseren Schweizer Nachbarn, einigen Franzosen und einem lustigen Lehrer aus den USA eine Bootstour zu den Krokodilen. Wir sehen einige der großen Tiere am Ufer und unser Guide fängt ein paar sehr kleine Krokodile die wir näher anschauen können, bevor sie wieder in die Lagune gelassen werden. Eine sehr spannende Tour um mal etwas mehr über die großen Reptilien zu erfahren und sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.

Am nächsten Tag regnet es in der Früh. Pit und Nicole fahren lieber gleich los um die Straße nach Trinidad noch zu nehmen bevor sie zu matschig wird. Die beiden haben aber auch einen VW-Bus mit Allrad und hoher Bodenfreiheit. Wir sind etwas unsicher was wir machen und beschließen nach Rücksprache mit Miriam dann doch lieber bis morgen zu warten, da soll es etwas trockener werden. Wir machen noch eine Tour in den angrenzenden Dschungel und sehen dort noch einige wild lebende Affen.

Am nächsten Morgen packen wir dann unsere Sachen und sehen zu, dass wir vor dem nächsten Regen wieder nach Trinidad kommen.

Dieser erste Ausflug in den Dschungel war super, aber auch anstrengend. Die Temperaturen waren auch nachts recht hoch, die Luftfeuchtigkeit insbesondere nach dem Regen extrem hoch und die Insekten haben uns trotz gutem Insektenspray Tag und Nacht gequält. Aber das gehört wohl zum Dschungelleben und ist es auf jeden Fall wert, dafür viele schöne Tiere zu sehen.

Alte Missionskirchen im Urwald

Auf dem Weg in Richtung Santa Cruz de la Sierra wollen wir noch einen Abstecher nach San Javier und Concepcion machen. Sie sind Teil einer Reihe von Missionsorten die vor etwa 300 Jahren von Einwanderern gegründet wurden und neben den sehr strickt gegliederten Ortschaften jeweils auch eine schöne alte Missionskirche in Holzbauweise haben. Und der Abstecher lohnt sich auch. Insbesondere in Concepcion kann man noch sehr gut die Anordnung des Ortes um den zentralen Platz mit der Kirche sehen und die Kirche selbst ist dank der Arbeit des Schweizer Architekten Hans Roth in den 1970er Jahren wieder originalgetreu restauriert worden.

Nach der Besichtigung der Kirche fliege ich noch mit der Drohne um ein paar Luftaufnahmen zu machen. Am Ende des Fluges ist noch etwas Akkukapazität übrig und ich will kurz noch in Richtung Pedro unter einem Baum durchfliegen. Dummerweise möchte die Software aber auf Grund des doch schon eher knappen Akkustandes zurück zum Ausgangpunkt fliegen und zieht plötzlich recht zügig nach oben in den Baum. Und da sie nach oben leider keine Abstandssensoren hat fliegt sie mit vollem Schwung in die Äste und von da ganz schnell wieder zurück in Richtung Boden. Dummerweise recht unkontrolliert. Die Drohne knallt mit einem Arm auf den Asphalt und bleibt liegen. Ergebnis: einer der Motoren ist verformt und dreht nicht mehr. Der Rest scheint in Ordnung zu sein. Blöd. Damit sind Luftaufnahmen wohl vorerst ausgeschlossen.

Bei Walter und Laya in Santa Cruz

In Concepcion drehen wir wieder um, fahren die ca. 100 km zurück nach San Ramon und von da weiter nach Santa Cruz. Durch die Stadt Santa Cruz fahren wir nur am Abend durch. Hier gäbe es zwar bestimmt auch ein paar schöne Dinge zu sehen, aber die Zeit drängt ein bisschen und so lassen wir diese Stadt links liegen um am Rand von Santa Cruz für zwei Nächte bei Laya und Walter zu stehen.

Die beiden Münchener sind vor etwa dreißig Jahren spontan aus Deutschland ausgewandert. Sie waren eigentlich nur zwei Wochen zu Besuch in Bolivien und haben sich dort sehr wohl gefühlt. Also haben sie ein Grundstück in der Pampa bei Santa Cruz gekauft und sind dann tatsächlich auch recht bald dorthin gezogen.

Nach vielen verschiedenen Jobs – unter anderem mit einer eigenen Bäckerei – haben sie inzwischen aus dem Grundstück ihr kleines Paradies gemacht und Laya arbeitet seit einigen Jahren als Yogalehrerin und bietet spezielle Massagen an.

Wir machen einen Tag Pause bei diesen zwei sehr netten Menschen, nutzen den Pool – bei der Hitze hier echt super – quatschen mit den beiden und genießen einfach den schönen riesengroßen Garten mit der schönen Terrasse.

Am Abend sehen wir dann auch noch das seltene Ereignis, dass ein San Pedro Kaktus blüht. Leider beginne ich erst etwas zu spät mit einem Zeitraffer davon, trotzdem kann man hier sehen, wie der Kaktus sich langsam öffnet:

Am nächsten Morgen tanken wir dann Pedro nochmal mit Wasser voll und fahren weiter in Richtung Samaipata. Vor der Weiterfahrt warnt uns Laya noch davor, dass Diesel in Bolivien gerade besonders knapp ist. Zum Glück können wir aber noch in Santa Cruz einmal volltanken. Die drei Ersatzkanister sind auch alle voll und so könnten wir auch ohne weitere Tankstopps noch gut 1.000 km fahren. Das Thema wird sich in Bolivien die nächsten Wochen noch deutlich verschärfen.

Samaipata

Samaipata liegt bereits wieder weiter oben und ist umgeben von wunderschönen grünen Bergen. In der Gegend um das kleine Städchen leben sehr viele europäische Auswanderer und es gibt sogar ein Tal das fast ausschließlich von deutschen Auswanderern bewohnt wird. Wir fahren aber einfach nur in den Ort um die nähere Umgebung anzusehen.

Davor machen wir einen kurzen Halt bei den Cataratas de Cuevas. Ein paar schönen Wasserfällen im Wald, bei denen wir auch gleich wieder mal baden. Danach übernachten wir kurz vor Samaipata an der Straße und fahren am nächsten Tag direkt zum Fuerte de Samaipata, einer alten Inkastätte die später von den Spaniern als Fort verwendet wurde. Die Stätte liegt am Berg und wurde wohl ursprünglich zu religiösen Zwecken verwendet. Alles ist aus einem großen flachen Felsen geschlagen. Wasserrillen, Altarnischen und Bilder.

Wir entschließen uns einen Führer zu nehmen und treffen noch zwei Schweizer Mädels die die Tour mit uns machen. Von der Festung hat man eigentlich auch einen super Ausblick in die umgebenden Berge. Diese sind fast vollständig begrünt und teils sehr steil. Leider ist der Ausblick massiv getrübt von dem Rauch der aus der Gegend von Santa Cruz vom Wind hier hochgetragen wird. Deshalb wollen wir auch die von unserem Guide so sehr gepriesene Wanderung zu den Kondoren nicht machen. Natürlich wäre es schön diese Riesenvögel mal wieder aus der Nähe zu sehen, aber wenn man von der Landschaft außen rum kaum was mitbekommt ist es dann leider doch nicht so reizvoll.

So beschließen wir am nächsten Tag noch eine Tour in den Bosque de Helechos Gigantes – dem Wald der Riesenfarne –  zu machen und dann weiterzufahren. Die Gruppe für die Tour besteht wieder aus den beiden Schweizerinnen von gestern, mit denen wir uns dazu verabredet haben und ein paar anderen Reisenden. Es geht durch den Wald den Berg rauf und irgendwann kommen die großen Farne. Es ist ein schöner, dichter und sehr grüner Urwald und die Farne mit ihren riesigen Blättern wachsen hier fast überall. Sie werden acht bis zehn Meter hoch und über achthundert Jahre alt. Wir bestaunen diese Pflanzenpracht und dann geht es auf einem anderen Weg wieder runter und die Farne werden nach und nach weniger. Eigentlich hätte man auf dem Rückweg ein paar sehr schöne Aussichtspunkte, aber der Rauch von Santa Cruz raubt leider einen großen Teil der Sicht und so kann man nur erahnen wie sich die grünen Berge weiter nach oben ziehen. Als Ersatz bekommen wir aber noch eine Darbietung von Camille – sie ist Opernsängerin in Paris – die uns ein paar Stücke am Aussichtspunkt vorsingt. Eine sehr beeindruckende Kulisse für Opernmusik mit erschwerten Bedingungen für die Sängerin durch die Freiluftakustik ohne jeglichen Hall.

Von Samaipata aus fahren wir noch ein paar Tage nach Sucre. Unterwegs schauen wir uns noch einen beeindruckend großen Gummibaum an. Alleine die Wurzeln sind teilweise deutlich höher als ich.

Sucre

Sucre ist die konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien. Regierungssitz ist in La Paz, aber da das Land in Sucre gegründet wurde ist es eben nach wie vor Hauptstadt. Am Stadtrand halten wir noch kurz in der Nähe einer natürlichen Wand, an der man die Fußstapfen von Dinosauriern sehen kann. Das sieht recht beeindruckend aus, aber um näher heran zu kommen muss man Eintritt bezahlen und bekommt dann vor allem eine Ausstellung von Plastikdinos zu sehen. Wir verzichten und schauen aus der Ferne.

Wir fahren direkt auf den kleinen Campingplatz von Felicidad und Alberto. Das ältere Pärchen managt den Platz gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Sohn. Alle vier sind sehr hilfsbereit und nett. Aber Chefin ist ganz klar Felicidad. Sie macht die Anmeldung, gibt uns einige gute Informationen über die Stadt und bestimmt ganz klar wo wir stehen können und wo nicht. Dabei ist sie sehr bestimmt, aber auch sehr nett. Uns amüsiert das ganze etwas.

Wir stehen gemeinsam mit ein paar anderen Reisenden auf dem Platz. Unsere direkten Nachbarn für die nächsten Tage sind Andreas und Sabine aus Hamburg. Mit den beiden verstehen wir uns sehr gut und quatschen auch ziemlich viel. Alle anderen fahren am Tag nachdem wir ankommen schon wieder weg.

Wir gehen erstmal in die Stadt und schauen uns vor allem das Kloster San Felipe Neri an. Man kann auf das Dach der Kirche steigen und hat einen super Blick über Sucre. Leider ist es sehr wolkig und fängt später etwas zu regnen an. Dafür werden wir von ein paar schönen Blitzen entschädigt die über der Stadt runterkommen.

Am nächsten Tag ist autofreier Sonntag und wir nutzen die Gelegenheit um die Stadt mit dem Rad zu erkunden. Dabei besichtigen wir nochmal bei schönstem Sonnenschein die Stadtmitte mit ihren schönen weißen Häusern aus der Kolonialzeit, fahren zum Mirador Recoleta mit der gleichnamigen Kirche und gehen später in der Stadt noch einen Kaffee trinken. Danach bekommen wir noch den Rest des Straßenkonzertes einer heimischen Hardrockband mit. Ach ja, den Cementerio General – den angeblich schönsten Friedhof Südamerikas – schauen wir auch noch an. Und er ist wirklich sehr schön. Ähnlich wie in La Paz werden die Toten in kleinen Nischen in den Wänden bestattet wodurch viele übereinander passen. Im Gegensatz zum Friedhof in La Paz ist hier aber mehr Platz für Grün zwischen den Gräberreihen und es gibt auch noch einige private Mausoleen der reicheren Familien.

Am Montagmorgen wollen wir noch ins Haus der Freiheit – Casa de la Libertad – um die Ausstellung über die Unabhängigkeit von Bolivien anzusehen. Bevor unsere Führung startet treffen wir noch den Direktor des Museums der meine Kamer sieht und uns fragt ob wir kurz mit ihm auf das Dach wollen um den Ausblick über die Stadt zu sehen. Klar wollen wir. Das Dach ist normal für Besucher nicht zugänglich und der Chef macht uns persönlich auf und zeigt uns die Umgebung.

Danach bekommen wir eine sehr ausführliche Führung durch das Museum und erfahren eine Menge über den Weg von Bolivien in die Unabhängigkeit von Spanien.

Bevor wir weiterfahren besuchen wir dann auch noch kurz den sehr schönen Innenhof der Universität und trinken einen Kaffee im Turm der zum Café umfunktionierten Kirche nebenan. Dann geht’s aber weiter. Wir wollen ja auch noch das Glorieta Castle etwas außerhalb von Sucre besuchen und dann weiter in Richtung Potosi.

Das Schloss ist tatsächlich auch recht beeindruckend. Es wurde erst Ende des neunzehnten Jahrhunderts von dem sehr reichen Ehepaar Urioste-Argandoña errichtet. Die beiden hatten sehr viel Geld im Silberbergbau in Bolivien verdient und davon unter anderem dieses Schloss gebaut. Es ist zum Teil noch ziemlich gut erhalten und dient heute als Museum.

Nach dem Schlossbesuch geht es dann noch ein Stück weiter in Richtung Potosi. Wir übernachten in einem kleinen Städtchen in den Bergen und erreichen am nächsten Tag Potosi.

Potosi

Potosi war einmal die reichste Stadt der Welt und im 17ten Jahrhundert mit damals schon ca. 150.000 Einwohnern auch einmal eine der größten. Nachdem die Spanier die Stadt erobert hatten wurde der nahe gelegene Cerro Rico – der reiche Berg – gnadenlos ausgebeutet und die Stadt und einige ihrer Bewohner extrem reich. Dabei kamen allerdings auch viele tausend Arbeiter ums Leben. Heute ist die Mine wieder in der Hand der hier heimischen Aymara. Allerdings ist die Ausbeute nicht mehr besonders groß und die Arbeit nach wie vor extrem hart und gefährlich.

Die Stadt Potosi besteht – ähnlich wie Sucre – aus vielen alten Kolonialbauten die auch zum größten Teil noch sehr gut erhalten sind. Allerdings ist alles etwas chaotischer und nicht ganz so perfekt sauber. Auf uns wirkt es dadurch etwas lebendiger als das noch touristischere Sucre.

Wir steuern direkt einen bewachten Parkplatz in der Stadtmitte an auf dem wir auch übernachten können. Direkt nach der Ankunft lernt Delphine Rafael kennen. Der kleine Knirps ist sieben Jahre alt und recht neugierig. Er will auch gleich in Pedro reinschauen und ist begeistert dabei alles in unserem Haus auszukundschaften. Besonders toll findet er alles, was man essen kann. Er mag alle Arten von Früchten, Nutella und so ziemlich alles was er sonst noch so sieht. Und am liebsten mag er es alles auch gleich probieren. Nach einer Weile schafft Delphine es ihn erstmal mit ein paar Malstiften zu beschäftigen. Er wird uns die nächsten Tage noch öfter besuchen. Einmal versucht er es schon morgens um sieben, aber das ist Pedro zum Glück noch abgeschlossen.

Nachdem Delphine ein paar Telefonate erledigt hat gehen wir erstmal auf einen Kaffee in die Stadt und erkundigen uns dann gleich mal zu den Möglichkeiten die Minen zu besuchen. Dabei landen wir recht schnell bei Francisco. Der sitzt am Schreibtisch eines der Tour Anbieter und erzählt uns erstmal fast eine Stunde von den Minen, deren Geschichte und wie es da heute so zugeht. Wenn wir wollen können wir am nächsten Tag direkt mit ihm eine Tour machen. Wir sind gleich von ihm und seiner Art überzeugt und buchen die Tour für den nächsten Tag. Danach geht’s noch ein bisschen durch die Stadt und landen schließlich in einem unscheinbaren, aber sehr guten kleinen Restaurant zum Abendessen. Hier probiert Delphine die traditionelle Kalapurka, eine Suppe die nach altem Inkarezept gekocht und mit einem heißen Lavastein in der Mitte, noch kochend und blubbernd serviert wird. Die Suppe ist super lecker und nach dem Essen reden wir noch lange mit dem Pärchen, dass das Restaurant betreibt.

Die Tour zu den Minen von Potosi startet bei Francisco in der Agentur. Von da an fahren wir mit einem Taxi erstmal zum Markt der Mineros – der Minenarbeiter. Hier gibt es alles was der Minenarbeiter so braucht. Man kann Arbeitskleidung, Werkzeuge, hochprozentigen Alkohol und sogar Dynamit kaufen. Francisco erklärt uns hier schon mal einiges über die Arbeit der Mineros und vor allem wie das mit dem Sprengen funktioniert. Das werden wir wahrscheinlich in der Mine nur indirekt durch das Knallen und die Erschütterungen mitbekommen. Ist vielleicht besser so.

Nach dem Markt fahren wir noch kurz im Lager der Agentur vorbei wo wir mit Gummistiefeln, Überhose, Jacke und Helm ausgestattet werden. Dazu gibt’s noch eine helle Stirnlampe und dann geht’s weiter zur Mine. Die Mine, die wir heute besuchen ist weiter oben im Berg und eine derjenigen in denen noch sehr viel gearbeitet wird. Wir fahren ein ganzes Stück den Berg rauf und haben von oben einen Super Blick in die Stadt. Bevor es dann in den Stollen geht sehen wir draußen schon das geschäftige Treiben der Arbeiter die mit ihren vollen Loren – den Eisenwägen auf Schienen – aus der Mine kommen. Die Loren werden hier von zwei oder drei Leuten pro Wagen in die Minen geschoben, dort beladen und wieder rausgefahren. Alles in Handarbeit auf teils ziemlich krummen Schienen. Draußen wird der Inhalt über eine Kante gekippt und dann von jeweils zwei Arbeitern auf die LKWs weiter geschaufelt. Bis auf die LKWs gibt es hier keine größeren Maschinen. Alles wird von Hand gemacht.

Dann geht’s in die Mine. Hier wird alles gleich etwas hektischer. Die Stollen sind größtenteils sehr eng und haben gerade so Platz für einen der Wägen. Die Strecke ist eingleisig und wenn ein voll beladener Wagen rauskommt – meist in sehr hohem Tempo – dann müssen die hereinfahrenden Wagen an den etwas breiteren Stellen vom Gleis gekippt werden, damit der volle durchfahren kann. Die Arbeiter sind fast immer im Laufschritt unterwegs. Gemütlich ist hier Garnichts. Wir müssen dementsprechend auch immer wieder ziemlich schnell über den unebenen Grund rennen um rechtzeitig eine kleine Nische zu finden bevor wieder ein Wagen vorbeikommt. Francisco horcht immer wieder und schaut nach vorne und hinten und gibt uns dann Zeichen. Ab und an können wir in einem Seitenstollen warten bis der Verkehr vorbei ist, manchmal müssen wir uns an die Stollenwände drücken und die Wägen fahren nur wenige Zentimeter an uns vorbei. Einmal bekomme ich dabei auch einen ordentlichen Stromschlag und komme kurz ins Taumeln. Die Elektroleitungen sind hier auch einfach nur recht lose an den feuchten Wänden verlegt.

Die Arbeiter sind in der stickigen schlechten Luft ständig am Schwitzen. Sie rennen den ganzen Tag hin und her und schieben dabei die bis zu zwei Tonnen schweren Loren per Hand durch das Bergwerk. An ihrem jeweiligen Ziel angekommen beladen sie die Wägen per Hand oder über sehr primitive Holzrutschen und dann geht es im Eiltempo wieder raus. Pausen gibt es nicht. Höchstens mal draußen an der frischen Luft für dreißig Sekunden.

Alle Arbeiter haben einen dicken Ballen Cocablätter in der Backe auf der sie den ganzen Tag herumkauen um wach zu bleiben. Manche haben auch beide Backen voll. Wir haben am Vortag auf Hinweis von Francisco schon einige Getränke gekauft die dieser nun immer wieder an die Arbeiter verteilt. Wasser, Cola, Limo und ein paar Bier. Die Arbeiter nehmen alles begierig an. Leider ist es unmöglich genug für alle zu haben. Uns ist es aber auch unverständlich, dass es nicht mal möglich ist, auch nur etwas Wasser im Eingangsbereich anzubieten. Das wäre kein großer Aufwand und würde den Arbeitsalltag der Mineros bestimmt massiv erleichtern. Aber hier könnten einige Kleinigkeiten die Arbeit sehr erleichtern und auch die Sicherheit extrem erhöhen, aber das scheint niemanden zu interessieren.

Francisco führt und tief in die Stollen hinein, zeigt uns auch ein paar abgelegener Seitenstollen und führt uns zu einer Art Kapelle mit einem Kreuz das die Mineros um Sicherheit anbeten, aber auch zum Tio, dem Onkel. Einer Art Bergteufel dem die Mineros Alkohol und Zigaretten bringen um ihn um ihre Sicherheit zu bitten.  Und wir sehen die ganze Zeit wie die Arbeiter ständig mit den Wägen rein und raus rennen. Teilweise sind die Gleise, über die sie mit ihren schweren Wägen fahren unterbrochen oder mit Holzbrettern ausgeflickt und sie müssen die Wägen immer wieder mit großen Hebeln auf die Spur bringen. Es ist auf jeden Fall eine sehr extreme Arbeit die sie hier für einen sehr geringen Lohn machen. Und das zum Teil schon mit fünfzehn oder sechzehn Jahren.

Viele der Arbeiter haben keine andere Wahl. Sie sind oft schon im jungen Alter für die Versorgung ihrer Familien zuständig wenn der Vater ausfällt oder sie selbst schon Kinder haben. So kommen sie nach Potosi um hier Geld zu verdienen und hoffen von hier aus weiter zu kommen oder den Weg aus dem Berg zu schaffen. Manche, wie unser Guide schaffen es, andere arbeiten im Berg solange es eben geht und einige kommen auch bei Unfällen ums Leben. Francisco hat in den zehn Jahren als Bergarbeiter allein schon sieben Freunde in den Minen verloren. Er hat es geschafft in der Abendschule Spanisch – die meisten Mineros sprechen nur Quechua, die Sprache der Inka – und ein bisschen Englisch zu lernen und so den Weg zum Touristenguide geschafft. Seine Agentur, wie auch die meisten anderen Agenturen in der Stadt, gibt einen Teil des Umsatzes an die Bergarbeiter ab. In Form von Weihnachtsgeschenken oder für die Ausbildung in Abendschulen die es einigen der Arbeiter ermöglicht, sich später eine andere Existenz aufzubauen.

Wir kommen nach etwas zwei Stunden unter Tage wieder raus und sind ziemlich bedrückt von dem, was wir da gesehen haben. Das man heutzutage noch unter so unwürdigen Bedingungen arbeiten muss um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist erschreckend. Aber es ist auch schuld von uns Konsumenten, die wir weiterhin billig an Elektrogeräte kommen wollen in denen die Erze und Edelmetalle aus genau dieser Art von Minen steckt. Oder gar aus afrikanischen Minen in denen die Zustände nochmals viel schlimmer sind.

Am Tag darauf besuchen wir den Markt, schauen uns die Kathedrale mit ihrem schönen Turm an, von dem man eine super Aussicht über die Stadt hat und steigen später noch auf den Torre de la Compania de Jesus. Ebenfalls ein alter Kirchturm mit sehr schöner Aussicht über die Stadt. Insgesamt ist Potosi einfach eine sehr schöne, lebendige und trotzdem nicht zu anstrengende Stadt, die heute allerdings fast nur vom Tourismus und den Resten der Edelmetalle im Cerro Rico lebt. Landwirtschaft oder Industrie als weitere Einkunftsquellen gibt es hier kaum.

Über die Hochebene zurück nach Chile

Nachdem wir Potosi wieder verlassen geht es eigentlich mehr oder weniger direkt zur chilenischen Grenze. Wir haben zwar noch sechs Tage Aufenthaltsdauer in Bolivien, wollen aber auch einen kleinen Puffer haben falls etwas mit Pedro ist oder wir am Ende doch noch Probleme mit der Spritversorgung haben. So fahren wir über sehr schöne Landstraßen wieder auf das Altiplano und über Oruro in der Nähe des Sajama vorbei. Hier kreuzen wir kurz unsere Route auf der wir vor fast drei Monaten schon mal nach Sajama gefahren sind, besuchen noch zwei alte, fast ausgestorbene Dörfer und kommen dann ein paar Tage früher als nötig an die Grenze nach Chile. Vor der Grenze steht schon eine mehr als zwei Kilometer lange Schlage von LKWs, an der wir zum Glück vorbeifahren dürfen. Kurz vor dem Grenzübergang versuchen wir nochmal zu tanken. Auf der chilenischen Seite gibt es erst in über 200 km wieder eine Tankstelle und wir haben unsere Vorräte schon ziemlich dezimiert. Leider gibt es keine Chance hier an Diesel zu kommen. Weder in den Tank noch in unsere Ersatzkanister. Auch die LKW-Fahrer die Delphine fragt können uns nicht helfen, weil selbst sie nur in den Tank und nicht in Kanister tanken dürfen. Na gut, dann müssen unsere Vorräte entweder reichen –  auch für den in Chile geplanten Abstecher in die Berge – oder wir müssen irgendwo unterwegs noch Diesel auftreiben.

Durchs Hochland von Chile

Der Grenzübertritt gelingt uns zum Glück noch knapp bevor die Grenze am Abend schließt. Wie immer wird Pedro kurz von den chilenischen Grenzern auf unerlaubte Lebensmittel kontrolliert und wir haben wie immer eine Zehe Knoblauch zum Opfern parat. Der Rest ist gut versteckt wo ihn kein Grenzer findet. Und so verlassen wir nach drei Monaten Bolivien wieder. Das Land und seine Bewohner haben uns sehr beeindruckt und wir hatten eines sehr gute Zeit.

Ein paar Kilometer nach der Grenze geht es nach rechts in Richtung des Nationalparks Isluga. Der gleichnamige Vulkan ist auch schon aus der Ferne an seiner schmalen Rauchfahne zu erkennen. Wir wollen heute noch bis zu den Termas von Enquelga und dort ein bisschen baden. Die Termas sind sehr gut in Schuss und das Wasser sehr sauber, allerdings nur lauwarm und nicht heiß. Trotzdem genießen wir das Bad und übernachten gleich direkt an den Termen um in der Früh nochmal kurz zu baden.

Dann geht’s weiter über die Laguna Arabilla mit ihren unzähligen Flamingos und Lamas zu den Geysiren von Puchuldiza. Hier soll früh am Morgen wohl tatsächlich einer der Geysire öfter richtig Wasser und Dampf spucken. Als wir ankommen dampft auf jeden Fall schon mal alles um uns herum und wir steuern direkt das kleine Thermalbad an. Das ist allerdings eine ziemliche Enttäuschung. Es ist wohl schon sehr lange nicht gepflegt worden und das Becken ist komplett mit Schlamm zugeschwemmt. So verzichten wir auf das Bad und spazieren in der Kälte zwischen den dampfenden Löchern und dem von den vielen Mineralien bunten Fluss umher. Wir übernachten ziemlich nahe am Geysir um in der Früh mit zu bekommen, wenn er wirklich aktiv wird. Aber es rührt sich leider nichts. Vielleicht ist es draußen einfach noch nicht kalt genug. Aber trotz des enttäuschenden Thermalbades und des faulen Geysirs hat sich der Ausflug in diese surreale Landschaft gelohnt.

Wir fahren weiter runter und kommen zurück auf die Hauptstraße die von der Grenze nach Iquique führt und fahren hier noch ein ganzes Stück weiter runter. Bei Chusmiza machen wir nochmal einen Abstecher zu einigen, diesmal sehr schönen und warmen, Thermalbecken und fahren dann noch ein ganzes Stück in Richtung Pazifik. Bei Tarapaca machen wir nochmal einen kleinen Umweg durch das Tal, welches hier voller Oasen ist um dann auch noch den Gigante de Atacama anzusehen. Eine große Zeichnung auf einem Berg in der Nähe der Straße. Mitten in der Wüste.

Von da sind wir dann bald wieder an der Panamericana und fahren noch zur ehemaligen Salpetermine Humberstone.

Die Salpetermine Humberstone

Die ehemalige Salpetermine liegt etwa 50 km östlich von Iquique in der Wüste. Vor etwa hundert Jahren wurde hier im großen Stil Salpeter gewonnen. Heute dient die ehemalige Industriestadt als Museum. Man kann hier gut nachvollziehen, wie die Menschen hier damals gelebt haben und wie in den nahe gelegenen Betrieben das Salpeter gewonnen wurde.

Die Menschen lebten weitgehend abgeschlossen in dieser kleinen Stadt. Es gab einen Markt, die Wohnhäuser, medizinisch Versorgung, eine Schule und später auch ein Schwimmbad und ein Theater. Die Arbeiter wurden mit Gutscheinen bezahlt mit denen sie die nötigen Dinge für das tägliche Leben kaufen konnten. Geld hatten jedoch keines und waren somit abhängig von ihrem Arbeitgeber. Als die Arbeiter von Humberstone und anderen Salpeterminen sich im Jahr 1907 in Iquique zu einem größeren Protest versammelten um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern wurden letztlich einige hundert von ihnen vom Militär erschossen.

Wir laufen fast drei Stunden durch die ehemalige Stadt und besichtigen sowohl die Wohnbereiche als auch die teils noch recht gut erhaltenen Abbaustätten und die alten Industriehallen. Das Ganze ist recht beeindruckend und auch sehr fotogen. Kurz vor Betriebsschluss verlassen wir dann das Gelände und fahren noch nach Iquique.

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