Durch die Hochwüste von Argentinien

Durch die Hochwüste von Argentinien

Wir wollen ja gemeinsam mit Licia und Marcelo durch die Puna, die Hochwüste von Nordargentinien fahren. Das Wort Puna kommt aus der Sprache der Quechua und bedeutet hohes Land. Und das Land ist nicht nur hoch – viele der Ebenen liegen auf bis zu viertausend Metern Höhe und die Berge reichen auf über sechstausend Meter – sondern auch karg und abgelegen. Da es aber viele Salze und Metalle in der Wüste gibt, die schon seit langer Zeit abgebaut werden, gibt es auch einige halbwegs gute Straßen. In den Bereichen, in denen heute Lithium abgebaut wird sind diese auch recht häufig befahren, da hier viele LKWs und Minenarbeiter unterwegs sind. Aber einige der Straßen werden wohl auch nur von ein bis zwei Fahrzeugen am Tag befahren. In Belen hatten wir schon mal in der Touristeninformation nachgefragt und nur die Info bekommen, dass die Strecke ausschließlich mit 4×4 Fahrzeugen machbar ist. Auf weitere Nachfragen hieß es dann doch, sie wüssten es nicht so genau und wir sollen uns bei den Einheimischen vor Ort erkundigen. In Villa Vil haben wir auch noch den Tipp von einem einheimischen Reisenden bekommen, lieber bei der Gendarmeria nach den Verhältnissen zu fragen, da diese ja auch häufig wechseln. Außerdem haben wir, dank moderner Kommunikation mit Chatgruppen und Internet auch von anderen Reisenden gehört, die da oben mit normalen 2×4 Fahrzeugen durchgefahren sind. Aber ein bisschen Abenteuer wird es trotzdem. Bevor es richtig in die Wüste geht wollen wir von El Penon aus zum Campo Piedras Pomez, wo man wohl tatsächlich mit Pedro kaum hinkommt.

Wilde Fahrten um El Penon

Am Ortseingang von El Penon werden wir an einer Art Kontrollposten angehalten. Es ist aber nicht die Polizei, sondern eine statistische Erhebung zum Tourismus wie uns Benancio, der Herr der uns angehalten hat erklärt. Wir werden gebeten ein paar Daten in ein Formular einzutragen und dann fragt er uns noch, was wir so vor haben in El Penon. Daraufhin erklärt er uns, dass er selbst Tourguide ist und uns zum Campo Piedra Pomez bringen kann. Ob das ganze jetzt tatsächlich der Statistik dient oder einfach seine Masche ist an Kunden zu kommen ist uns nicht ganz klar, aber wir lehnen dankend ab und wollen erstmal zu einem von vielen Touristen empfohlenen deutschen Guide der hier wohl seit einiger Zeit auch Touren und Beratungen anbietet. Also fahren wir in den Ort und erstmal direkt zu seiner Adresse. Da finden wir allerdings weder ein Schild noch sonst einen Hinweis. Das war wohl erstmal nichts. Nach etwas Internet Recherche gehen wir zu einem anderen Touranbieter und erkundigen uns über die Möglichkeiten hier. Wir bekommen die Preise für die Touren mit einem Pickup genannt. Die gelten genauso, wenn wir noch zwei weitere Mitstreiter finden. Also wollen wir erstmal noch abwarten, ob wir vielleicht noch zwei Mitfahrer finden um den Preis auf vier Leute aufzuteilen. Und kaum gehen wir aus dem Büro der Agentur heraus, kommt auch schon ein großer argentinischer Pickup angefahren. Eine Frau steigt aus und geht in das Büro der Agentur. Wir sprechen den Fahrer an und fragen, was ihre Pläne sind. Die beiden, Alejandra und Gerardo, wollen zum einen auch die Piedra Pomez sehen und zum anderen noch eine weitere Tour in Richtung Antofagasta de la Sierra machen. Allerdings möchten sie einen Guide, der in ihrem Auto mitfährt. Gerard möchte die Tour selbst fahren. Als Alejandra aus dem Büro kommt erfahren wir, dass dieser Anbieter die Touren nur mit seinen eigenen Fahrzeugen macht. Die beiden haben aber noch einen Kontakt zu einem anderen Guide, der auch mit den Autos der Teilnehmer mitfährt und sie so führt. Wenn wir wollen, können wir die Tour mit den beiden morgen gerne mitmachen. Wir überlegen kurz. Wenn wir morgen noch eine andere Tour machen und übermorgen zu den Piedras Pomez fahren, können wir nicht mit Marcelo und Licia durch die Wüste, was sehr schade ist, da uns die beiden sehr sympathisch sind. Andererseits haben wir hier die Chance eine schöne Tour in eine sehr abgelegene Gegend zu machen, wo wir mit Pedro niemals hinkommen. Also sagen wir kurzentschlossen zu und folgen den beiden zu ihrer Unterkunft, die auch von ihrem Guide geleitet wird. Als wir ankommen begegnen wir wieder Benancio, dem Herrn vom Ortseingang. Er betreibt mit seiner Frau hier ein Hostel und wird morgen unser Tourguide sein. Wir können direkt vor dem Hostel in Pedro übernachten und dürfen sogar die Duschen drinnen benutzen. Sehr nett.

Am Abend baue ich noch unsere Glühkerzen aus und teste sie alle. Eine ist tatsächlich defekt und müsste getauscht werden, aber hier finden wir keinen Ersatz. Der Verkäufer des örtlichen Supermarktes fährt am Abend noch nach Antofagasta und will für uns in einem Geschäft dort nachfragen, das hat aber leider gerade zu. Also bleibt es bei unserem Plan, Pedro nachts öfter laufen zu lassen, wenn wir morgens starten wollen.

Am nächsten Morgen geht es um neun Uhr los. Gerardo hat die Nacht sehr schlecht geschlafen. Die beiden sind von ziemlich weit untern hier herauf auf gut 3.500 m gekommen. Das war wohl etwas zu schnell. Trotzdem wollen sie die geplante Tour heute machen. Wir wissen noch gar nicht genau wohin es gehen soll. Antofagasta de las Sierra ist auf jeden Fall eine Zwischenstation und wir dachten, von da aus soll es noch zum Salar de Antofalla gehen, den wir auch gerne sehen würden. Aber der Plan ist etwas anders. Wir werden eine ausgedehnte Tour zum Vulkan Galan machen und auch in dessen riesigen Krater fahren und dann über einen knapp 5.000 Meter hohen Pass im weiten Bogen nach Antofagasta fahren. Von da geht es dann über die Asphaltstraße zurück nach El Penon. Das klingt auch gut. Wir lassen uns mal überrauschen.

Und die Überraschungen werden ganz schön viele werden heute. Es geht hinter El Penon über ein paar schmale Feldwege in die Berge und dann durch ein weiteres Tal kontinuierlich weiter nach oben. Den ersten Halt machen wir bei einer kleinen verfallenen Hütte in den Bergen. Hier hat die Stiefmutter von Benancio, unserem Guide viele Jahre gelebt und gearbeitet. Mit über sechzig Jahren musste sie an den Augen operiert werden und war für längere Zeit in El Penon. Die Familie dachte, sie würde dann im Ort bleiben. Aber sie wollte unbedingt wieder in ihre kleine Hütte in die Berge. Und da hat sich dann auch nochmal ein paar Jahre gelebt, bis sie sich wiederwillig darauf einließ, in eine besser isolierte Hütte mit elektrischem Licht zu ziehen und schließlich dann doch nach El Penon zu kommen. Und es ist nicht nur einfach eine kleine Berghütte die wir hier sehen, sondern ein winziges Hüttchen mit Strohdach. Winddicht ist der Bau bestimmt nicht und im Winter muss es hier in der Nacht saukalt sein. Und das Wasser musste sie zu Fuß über weite Strecken holen Aber seine Stiefmutter hat wohl genau dieses sehr karge und einfache Leben in ihrer Hütte und bei ihren Tieren geliebt. Spannend, wenn man ich überlegt in welchem Luxus wir zuhause und auch in Pedro so leben und unter welchen Umständen andere sehr glücklich leben können.

Die nächsten Stationen sind die eingefrorene Laguna Grande, an der im Sommer wohl hunderte von Flamingos leben – im Moment sind sie alle auf Winterurlaub in Bolivien -, weitere schöne Lagunas, einige schöne Felsformationen und schließlich geht es in den riesigen Krater des Vulkan Galan wo wir zunächst einige heiße Quellen ansteuern.

Für uns ist es das erste Mal, dass wir in so einem richtig geländegängigen 4×4 Auto mitfahren und wir sind beeindruckt, wo das Fahrzeug überall hinkommt. Das meiste auch noch ohne Allradantrieb. Für Gerardo ist es auch das erste Mal, dass er sein Auto wirklich so richtig in der Pampa nutzt. Benancio gibt ihm auch viele Tipps wie er fahren soll und erklärt ihm einige Funktionen an seinem Fahrzeug, die er selbst noch gar nicht kannte.

Bei der Abfahrt in den Krater kommen dann einige sehr steile und schiefe Passagen bei denen das Auto wirklich voll gefordert ist und wir ziemlich erstaunt wo man überall noch fahren kann, wenn man das richtige Fahrzeug hat und damit auch umgehen kann.

Bei einigen heißen Quellen machen wir einen kurzen Halt, die sind aber so heiß, dass es schön dampft und teilweise aus dem Boden blubbert, aber an Baden ist hier nicht zu denken. Eher könnte man sich ein paar Eier kochen. Die haben wir aber nicht dabei.

Über ein paar zugefrorene Stellen, die nicht so ganz ohne zu befahren sind, kommen wir schließlich auf die Westseite der Laguna Blanca. Von da an geht es nochmal richtig weit hoch über einen Pass und dann runter in Richtung Antofagasta de la Sierra. Der Pass – auf 4.970 Metern Höhe – ist für mich auch mein bisher persönlicher Höhenrekord. Aber wir fühlen uns noch relativ gut und auch ein kurzer Sprint um das Auto bringt mich zwar außer Puste, fühlt sich sonst aber noch ganz gut an.

Gerardo und Alejandra fühlen sich aber nicht so gut und möchten immer nur kurze Pausen machen und dann weiter. Das ist für uns natürlich ein Nachteil an einer solchen Tour. Wir nehmen uns schon immer sehr viel Zeit zum Schauen und Fotografieren. Die Tour Anbieter sind meist eher Touristen gewohnt, die bei den Highlights ein paar Selfies machen und dann schnell weiterwollen. Aber wir sind trotzdem super glücklich, dass wir dank Gerardo und Alejandra die Möglichkeit haben diese wahnsinnig schöne Umgebung sehen zu können. Ansonsten hätten wir sie vielleicht durchwandern können, aber das wäre dann eine Tour mit gut 150 km ohne Versorgung mit Essen. Ganz schön happig.

Nach dem Pass geht es wieder weiter runter und durch den Canyon Real, einem sehr schmalen Canyon bei dem das Auto an manchen Stellen gerade so durchpasst, und schließlich runter zur Straße nach Antofagasta.

Von da aus geht es dann über die asphaltierte Straße schnell nach El Penon zurück.

Es fällt mir schwer, die Schönheit der Landschaften die wir heute gesehen haben zu Beschreiben. Wir sind beide schwer beeindruckt von allem was wir gesehen haben und vielleicht können die Bilder einen kleinen Eindruck davon vermitteln.

Am nächsten Tag möchten Gerardo und Alejandra mit Benancios Sohn eine Tour zu Campo Piedra Pomez machen bevor es für sie dann wieder heimgeht. Wir dürfen auch wieder mit. Super, aber den Plan mit Licia und Marcelo durch die Wüste zu fahren ist damit für uns gelaufen.

Aber wir treffen die beiden nochmal am Dorfplatz. Sie übernachten heute nochmal hier und fahren dann morgen los in die Wüste. Sie haben in Antofagasta ein Pärchen aus Deutschland in einem roten Fiat Ducato getroffen. Hm, so einen Ducato hatte ich vor dem Vulkan Antofagasta heute Nachmittag gesehen. Wir haben vor ein paar Monaten auf der Carretera Austral auch mal ein nettes Pärchen in genau so einem Ducato kennen gelernt. Sind das vielleicht die beiden? Wir wissen es nicht genau, wünschen Licia und Marcelo aber eine super Fahrt und hoffen, dass wir ihnen vielleicht irgendwo nochmal begegnen.

Am Abend essen wir bei Benancio im Restaurant wo seine Frau uns ein gutes Essen bereitet und sprechen noch lange mit Gerardo und Alejandra über die Situation in Argentinien. Die beiden haben einen Lebensmittelgroßhandel und können davon offensichtlich ganz gut leben, aber vieles, was sie uns über die Politik und auch über ihre Landsleute berichten ist etwas frustrierend zu hören, weil man immer wieder merkt, dass es diesem Land viel besser gehen könnte. Aber solange korrupte Politiker eher für sich als für das Land wirtschaften und viele Wähler sie trotzdem immer wieder wählen, in der Hoffnung ihre bequemen Jobs im öffentlichen Dienst behalten zu können, wird sich daran wohl nichts ändern. Und auch diejenigen, die viel Geld verdienen, können nichts sparen, da sich das bei einer Inflation von ca. 100% im Jahr einfach nicht lohnt. Ein schönes Land, sehr nette Menschen, unzählige Ressourcen und trotzdem geht es immer weiter bergab.

Am nächsten Morgen geht es wieder gegen neun Uhr los. Gerardo geht es inzwischen zum Glück auch wieder besser. Wir fahren zunächst in Richtung Antofagasta und biegen dann zum Campo de Piedra Pomez ab. Die ersten Kilometer sind noch ganz guter Ripio, aber danach wird es immer sandiger und spätestens beim Abstecher zu den großen Sanddünen ist klar, dass wir hier mit Pedro nicht allzu weit kommen würden. Die Dünen sind schön, beeindrucken uns aber nicht so sehr, wie die Duna Difunta drei Tage vorher. Danach geht es dann zur Nationalparkverwaltung des Campo. Hier müssen wir Eintritt bezahlen. Es scheint nicht viel zu sein, doch dann fragt einer der Guardaparques doch nochmal nach woher wir kommen. Europa. Ausländer. Da wird ein anderer Preis fällig. Am Ende sind es zwölfmal so viel wie für Argentinier. Das ist dann schon ein bisschen arg viel. Das wir als Ausländer mehr zahlen um die Nationalparks oder auch die Thermen hier zu besuchen ist völlig in Ordnung, aber so große Differenzen sind dann schon frech. Aber natürlich wollen wir in den Park und zahlen brav. Gerardo erklärt dem Guardaparque aber noch, dass er den Preis für Ausländer ungerechtfertigt hoch findet. Aber daran wird sich wohl kaum etwas ändern.

Kurz nach der Station nähern wir uns den Piedras Pomez. Große Bimssteinblöcke, die hier auf einer sehr großen Fläche einfach in der Wüste liegen. Sie sind wohl durch einen Vulkanausbruch entstanden erklärt und Benancios Sohn, der heute unser Guide ist. Näheres weiß er leider auch nicht. Es ist ein bisschen schade, dass sowohl Benancio, als auch sein Sohn sich in erster Linie als Wegführer sehen. Tiefergehende Erklärungen gibt es nicht und sie scheinen sich auch nicht so sehr dafür zu interessieren was es noch mehr zu wissen gäbe über die Orte an die sie die Touristen bringen. Wenn man ein gutes Fahrzeug hat und sich die im Internet leicht aufzufindenden GPS-Tracks herunterlädt kann man diese Führer leider sehr leicht durch ein Smartphone ersetzen. Einen Führer mit mehr Hintergrundwissen bucht man auch wenn man die Route kennt trotzdem gerne.

Am Parkplatz des Campo bekomme wir eine kurze Einweisung von unserem Guide. Vor allem sollen wir nicht zu weit reinlaufen um uns nicht zu verlaufen. Da haben wir keine großen Bedenken. Und wenn wir nicht mehr genau wissen wo wir sind finden wir notfalls über die aufgezeichneten GPS-Tracks zurück. Wir haben eine knappe dreiviertel Stunde Zeit. Also trennen wir uns bald von unseren Begleitern, die vor allem viele Selfies gleich bei den ersten Felsen machen wollen und laufen weiter in das Feld hinein. So groß wie das Ganze ist, bräuchten wir hier eigentlich einen ganzen Tag um uns in Ruhe umzusehen, aber wir versuchen einfach einen guten Eindruck und ein paar schöne Fotos von den Felsen zu bekommen und so das beste aus der kurzen Zeit zu machen.

Danach geht es weiter über einen versteinerten Salzsee zu einem Aussichtspunkt auf eine Art steinernes Meer. Der Boden hat hier versteinerte Wellen, die aussehen wie die Wellen auf einem See. Und gleich geht es weiter in Richtung des Vulkan Carachi Pampa. Ein schwarzer Sandkegel, teils durchmischt von rotem Sand. Dies Art von Vulkan ist typisch für die Gegend. Wir haben gestern auf dem Weg von Antofagasta zurück nach El Penon auch schon einige ähnliche Vulkane gesehen.

Weiter geht es dann um den Vulkan rum zur Laguna Carachi Pampa. Für uns das zweite Highlight des Tages nach dem Campo de Piedras Pomez. An der kleinen Laguna liegt eine verlassene Farm und auf der Laguna sind einige Flamingos im Licht des Nachmittags unterwegs. Dahinter sind schöne Berge und vor den Bergen einige Lamas. Wieder mal eine sehr schöne Landschaft.

Danach geht es dann wieder zurück nach El Penion und wir verabschieden uns von Alejandra und Gerardo. Es war super sie zu treffen und für uns eine tolle Gelegenheit diese zwei Touren zu machen. Aber die beiden müssen zurück nach Hause und wir wollen heute noch bis Antofagasta fahren um morgen dann in die Wüste zu starten.

Wir machen Halt an einem kleinen See kurz vor Antofagasta um dort zu übernachten. Dann gehen wir nochmal die Pläne für die nächsten Tage durch. In einer WhatsApp Gruppe von Argentinienreisenden gibt es ganz aktuell eine Diskussion über die möglichen Routen hier oben. Eigentlich wollten wir über den Salar de Hombre Muerto fahren, aber es gibt noch eine weitere Route weiter westlich, noch weiter in den Bergen. Und genau dahin sind Marcelo und Licia heute mit den Deutschen gefahren schreibt Licia, die praktischerweise etwas Internet in Antofalla hat. In der Gruppe schreibt, fast parallel dazu eine Katja, dass sie heute die Strecke mit ihrem Ducato gemacht haben. Das klingt spannend. Delphinen schreibt Kaja mal direkt an und fragt sie, ob sie diejenigen sind, die uns unsere Begleiter ausgespannt haben und ob sie auch diejenigen sind denen wir schon mal im Süden von Chile begegnet sind. Beides wird mit ja beantwortet und Katja informiert uns gleich noch ausführlich über die Strecke, die sie heute gemacht haben. Alles machbar auch ohne Allrad und super schön.

Wir sind etwas aufgeregt als wir diese ganzen Neuigkeiten hören. Es ergeben sich plötzlich nochmal ganz andere Möglichkeiten zu einigen Plätzen zu kommen, die wir zwar gerne sehen würden, aber bisher für Pedro eher nicht für möglich gehalten haben. Wir überlegen was wir machen sollen. Einerseits wäre diese Route echt schön uns spannend, andererseits sollte man sie schon besser mit zwei Fahrzeugen befahren um sich im Notfall helfen zu können. Aber den anderen sind heute immerhin zwei andere Fahrzeuge begegnet, also ist es nicht komplett vereinsamt auf der Strecke. Und Antofalla, was dann unser morgiges Ziel wäre, ist immerhin ein Ort in dem auch ein oder zweihundert Leute Leben. Also gar nicht so einsam. Also beschließen wir diese Route zu nehmen und gehen, etwas nervös, ins Bett.

Um zwei klingelt der Wecker. Delphine ist dran Pedro zu starten und warmlaufen zu lassen. Ich kann mich umdrehen und weiterschlafen. Sofern das geht während der Motor vorne rumpelt. Um fünf Uhr klingelt es wieder. Diesmal bin ich dran. Ich starte den Motor problemlos bei gut zehn Grad minus draußen und nutze die Zeit um draußen ein paar Nachtaufnahmen zu machen. Um halb acht klingelt das blöde Ding dann schon wieder und diesmal stehen wir beide auf. Das wird für die nächsten sieben Tage unsere nächtliche Routine bleiben.

Pedro wird vorsichtshalber gleich wieder für eine Weile gestartet und nach dem Frühstück geht es dann los. Wir tanken in Antofagasta nochmal voll. Die nächsten vier bis fünfhundert Kilometer wird es kaum Möglichkeiten zum Tanken geben. Dann suchen wir nochmal erfolglos nach Glüherzen, bekommen stattdessen aber immerhin ein Starthilfespray. Das ist zwar nicht so toll für den Motor, aber zur Not bekommen wir Pedro damit auch wenn er sehr kalt ist an.

Im Zentrum, nachdem wir die Kirche angeschaut haben und eigentlich langsam loswollen, kommen wir noch mit einem sehr netten alten Herrn ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass er selbst Tourguide ist und die Straßen die wir nehmen wollen zum Teil gut kennt. Er bestärkt und in unserem Plan und empfiehlt uns aber immer wieder nach dem Zustand der Straßen zu fragen. Der kann sich hier schnell ändern.

Ab in die Wüste

Dann geht’s los. Von Antofagasta aus nach Westen rauf zu unserem bisher höchsten Pass mit Pedro. Ganz oben soll eine relativ steile Stelle sein. Kein Problem für ein gut motorisiertes Auto, aber Pedro hat 86 PS und im Moment ein Gewicht von über 3.600 kg. Und die Stelle ist auf deutlich über 4.000 Meter wo die Leistung des Motors eher bei um die 40 PS liegen dürfte. Aber wenn wir es nicht probieren, werden wir nicht erfahren ob es geht.

Wir schlängeln uns langsam immer weiter aufwärts durch schöne grüne Täler. Ab und an sieht man noch kleine Häuschen am Wegrand. Weiter oben wird es dann immer karger und die Luft langsam wieder dünner. Seit Antofagasta ist uns kein Auto mehr begegnet. Nur zwei Leute auf einem Motorrad mit einem Fahrrad in der Hand des Mitfahrers.

Bei 4.000 Metern merkt man schon wieder, dass Pedro ganz schön kämpfen muss hier rauf. Wir haben auch ständig einen Blick auf den Auspuff, um das Gas so zu dosieren, dass es möglichst wenig Ruß gibt. Mehr Gas führt ohnehin nicht zu mehr Leistung, sondern nur zu schwarzem Rauch aus dem Auspuff. Aber es geht beständig höher, bis wir an die steile Stelle kommen. Schwung holen macht mit Pedro keinen Sinn, da man zum runter schalten in den ersten Gang fast stehenbleiben muss. Also wird die Stelle im ersten Gang mit Vollgas angegangen. Pedro röhrt und rußt was das Zeug hält. Trotzdem wir er immer langsamer. Aber es wird auch wieder flacher und bevor er wirklich in der Geschwindigkeit nachlässt haben wir die Stelle schon geschafft. Puh. Sehr schön. Andere Reisende mit schwachen Autos haben geschrieben, dass sie unterhalb der Stelle so viel wie möglich ausgeladen haben um Gewicht zu sparen. Das wollte ich aber schon gerne vermeiden. Zumal zwei oder dreihundert Kilo weniger für Pedro nur ein bisschen was ausmachen, wir müsste das alles aber zu Fuß hochtragen. Aber es ging ja so und nach kurzer Zeit erreichen wir die Passhöhe auf stolzen 4.610 m Höhe über dem Meer. Auf dem Weg nach Chile werden wir demnächst noch auf über 4.800 Meter hoch müssen, aber da ist die Straße wohl nicht so steil und gut asphaltiert.

Wir genießen den Ausblick auf die Berge um uns herum. Die sind aber nicht besonders wild oder steil, sondern einfach schöne runde Grasbuckel. Hier könnte man sehr einfach einen 5.000er besteigen. Neben Pedro ist am Pass eine Steinpyramide aufgeschichtet. Darauf liegen haufenweise Schnaps und Weinflaschen und leider auch einige aus Plastik. Außerdem gibt es Zigaretten die zum Teil kaum abgebrannt sind und viele Coca Blätter. Später erfahren wir, dass das traditionelle Opfergaben an die Pachamama, die Mutter Erde sind, die man ihr unter anderem auf den hohen Pässen schon seit den Zeiten der Inka gibt. Schade, dass man ihr auch Plastikflaschen geben muss. Und man fragt sich auch, ob die Pachamama nicht vielleicht ein kleines Drogenproblem bekommt bei so viel Alkohol und Zigaretten. Bestimmt könnte man eine schöne Verschwörungstheorie daraus basteln. Es gibt keinen Klimawandel, die Erde hat nur ein Drogenproblem.

Auf der anderen Seite des Passes geht es erstmal durch die schönen grünen Hügel weiter runter. Einmal kommt uns sogar ein Auto entgegen. Das einzige für den heutigen Tag. Etwas weiter unten kommt ein Haus. Oder besser, ein paar Lehmhütten. Davor steht ein Mann mit einem Hund. Wir halten kurz an und sprechen mit ihm. Auf die Frage, ob er irgendetwas bräuchte meint er, etwas zu rauchen wäre schön. Das haben wir nicht, aber eine Schokolade können wir ihm zumindest anbieten.  Das findet er auch nicht schlecht.

Etwas weiter unten machen wir Pause an einer schönen grünen Wiese mit vielen Lamas. Als Simon, so heißt der Mann den wir vorhin getroffen haben, mit seinem Hund zu uns kommt, schlägt Delphine vor, ihm eine Sonnenbrille zu geben, die wir letztens gefunden haben. Hier oben ist das sicherlich nicht schlecht und die Brille – immerhin einen echte Ray Ban – brauchen wir auch nicht. So läuft sie Simon entgegen und gibt ihm die Brille. Sie passt perfekt. Er freut sich auch sehr darüber und kann sich gut gebrauchen meint er. Nicht wegen der Sonne, sondern vor allem wegen dem Wind der hier häufig weht.

Wir haben gerade einen Kaffee gemacht und Simon kommt zu uns um noch ein bisschen zu quatschen. Er will auf die Wiese und nach den Lamas sehen, die er hier hütet. Und er will noch etwas von dem weißen Zeug sammeln das hier überall auf der Wiese liegt. Das ist kein Salz, wie wir zuerst dachten, sondern wohl so ein Art Natron das hier aus dem Boden geschwemmt wird und das man zum Waschen verwenden kann. Die Wolle der Lamas und Schafe wird damit auch gewaschen bevor sie weiter verarbeite wird.

Die Lamas leben hier weitgehend frei. Er kommt ab und zu aus seinem Dorf um ein paar Tage hier nach dem Rechten zu sehen. Nur zum Scheren der Wolle kommen dann viele Leute hoch und kümmern sich gemeinsam um die Arbeit. Auch die Vicunas, von denen viele hier leben werden dann mit langen Seilen zusammengetrieben und geschoren.

Wenn wir wollen, zeigt er uns noch ein bisschen was hier oben meint Simon schließlich, seine Arbeit kann er später auch noch machen. So laufen wir mit ihm noch ein paar hundert Meter über die Wiese zu einem kleinen Fluss und er erzählt noch mehr von seinem Leben hier oben. Schließlich gehen wir zurück zu Pedro und verabschieden uns von Simon. Wir wären sehr gerne dabei, wenn er das nächste Mal mit seiner schicken Sonnenbrille in sein kleines Bergdorf kommt, aber bis dahin sind wir wohl längst ganz woanders.

Bald kommen wir aus den grünen Hügeln raus und es geht runter in Richtung Salar de Antofalla. Der Salzsee, bzw. die Salzwüste – wie man Salar korrekt ins Deutsche übersetzt haben wir noch nicht rausgefunden – ist angelblich mit seinen 140 km Länge einer der längsten der Welt. Breit ist er nur ungefähr 10 km. Und an der Stelle an der wir ihn unten überqueren müssen sind es nur zwei oder drei km.

Die Abfahrt führt über deutlich schlechtere Pisten, aber runter kommt Pedro darauf gut. Ich hoffe allerdings, dass wir hier nicht mehr zurückmüssen, das könnte dann sehr mühselig werden.

Während der Abfahrt haben wir einen super Ausblick auf den Salar und die in ihm liegenden Vulkane. Unten geht es dann über den Salar nach Antofalla, wo wir hoffen, noch ein paar Informationen zur Weiterfahrt zu bekommen, denn von hier aus gibt es zwei Möglichkeiten zum Cono de Arita zu kommen, einer natürlichen Pyarmide auf dem Salar de Arizaro und unser morgiges Tagesziel.

In Antofalla fahren wir einfach mal mitten in den Ort. Eine freundliche Dame winkt uns aber bald und erklärt uns, dass die Wohnmobile bitte nicht in den Ort fahren sollen, sondern am Dorfplatz gleich am Ortseingang bleiben sollen. Da dürfen wir auch übernachten. Delphine fragt sie gleich noch, wie die beiden Straßen aktuell so sind. Sie meint, dass beide grundsätzlich fahrbar sind, die, die entlang des Salar nach Norden führt aber im Moment deutlich besser befahrbar und ihrer Meinung nach auch schöner ist. Später erfahren wir von Katja und Licia – sie haben schon wieder Internet mitten in der Wüste – das ihnen die Dame von der Touristeninformation in Antofalla – ja, sowas gibt es sogar hier – den anderen Weg empfohlen hat. Die Einheimischen meinten aber alle, der wäre gerade nicht so gut fahrbar und außerdem ohnehin nicht so schön. Also sind sie auch so gefahren, wie es uns empfohlen wurde. Bezeichnend ist allerdings, dass sie an der Touristen Information eigentlich die schlechtteste Info bekamen. Und das in einem Ort, wo es für Touristen die hierher kommen eigentlich nur sehr wenige wichtige Infos gibt. Wieder so eine öffentliche Stelle die nur geschaffen wurde um jemanden zu beschäftigen? Wir wissen es nicht, aber unsere Erfahrungen mit den Informationen, die wir bisher in diesen Einrichtungen hier im Norden bekamen waren nicht sonderlich beeindruckend.

Wir übernachten also am Dorfplatz von Antofalla. Nicht sonderlich schön, aber praktisch. Wir hatten überlegt, noch ein Stück in Richtung der Laguna Verde zu fahren, wo wir ohnehin morgen hinwollen, aber uns wurde gesagt, dass man da nicht campen darf und auch Strafen kassiert werden. Außerdem können wir hier öffentliches Wifi nutzen und bekommen von Katja und Licia direkt wieder Informationen über die Strecke die morgen vor uns liegt. Im großen und ganze auch wieder alles gut fahrbar, aber in Antofallita, dem nächsten Dorf mit drei Häusern, gibt es eine schwierige Passage. Es geht leicht bergauf und ein kleiner Bach hat vor einer Weile beschlossen, die Straße als sein neues Bachbett zu nutzen. Katja und Julian hatten zum Glück Schneeketten dabei die auch Marcelo und Licia verwenden konnten. Julian hat es im ersten Anlauf über die Stelle geschafft, bzw. daneben durch die sehr matschige Wiese, Marcelo hat wohl ein paar Anläufe mehr gebraucht, es letztlich aber auch geschafft. Wir bekommen sogar noch ein Foto von Katja, auf dem sie eingezeichnet hat wo sie gefahren sind. Das könnte spannend werden. Pedro hat etwas weniger Bodenfreiheit als die Busse der anderen und vor allem viel weniger Kraft. Man kann dadurch vor solchen Stellen nicht so viel Schwung holen. Aber wir werden es ja morgen sehen.

Abenteuerliche Fahrt zum Cono die Arita

Am Morgen stehen wir früh auf und sind schon bei der Laguna Verde, als die Sonne hier langsam hinkommt. Es ist noch saukalt und wir frieren ganz schön, als wir die erste Runde um die Laguna, also eigentlich die Lagunas drehen. Es sind mehrere kleine Löcher im Salzboden die im richtigen Licht eine sehr schöne grüne Färbung haben.

Wir schauen uns erstmal alles an und machen die ersten Fotos. Bis wir völlig verfroren erstmal wieder zu Pedro gehen und frühstücken. Danach steht die Sonne höher und wir machen nochmal die Runde. Es ist faszinierend wie das Wasser einerseits super klar und andererseits eben auch grün ist. Es ist auch absolut windstill und die Berge der Umgebung spiegeln sich sehr schön darin. Allerdings haben wir auch gehört, dass das Wasser super empfindlich ist gegen jede Art von Verschmutzung. Es wird gebeten, auf keinen Fall in das Wasser zu langen, da alleine dadurch die Mikroorganismen, die zu der schönen grünen Färbung führen, zerstört werden können. Was dann bleibt ist wohl eine unschöne braune Brühe, die Monate oder Jahre braucht um wieder die schöne alte Farbe zu bekommen.

Nachdem wir an der Laguna viel Zeit verbracht haben wird es schon wieder spät. Wir müssen weiter. Aber bevor wir nach Antofallita kommen müssen wir trotzdem noch ein paar Mal anhalten und uns genauer umschauen. Unter anderem ein paar Kilometer nach der Laguna Verde. Etwa 100 Meter neben der Straße ist eine Art Moräne, die überall glitzert. Wir hatten schon davon gehört, dass da wohl recht sonderbare, glitzernde Steine sind. Wir laufen hin um das aus der Nähe zu sehen. Zuerst sieht es aus wie die Glimmersteine die man auch bei uns in den Alpen oft findet, aber beim näheren Hinsehen sind die Steine hier sehr viel größer und bestehen aus vielen dünnen Schichten, die fast wie Glas aussehen. Wenn man sie spaltet und nur noch eine Schicht mit ein oder zwei Millimeter Dicke hat sind sie sogar ziemlich elastisch und biegsam. Sonderbares Gestein. Früher wurde es angeblich auch in Gebäuden für Fenster verwendet.

Nach ein paar weiteren Kilometern sehen wir dann in der Ferne Antofallita, wo es spannend werden wird mit der nassen Stelle. Ein winziges Dorf mit wenigen Häusern und dahinter geht es direkt in sehr engen Serpentinen zum nächsten Pass hinauf.

Wir sind gespannt was kommt. Als wir schließlich da sind steigen wir erstmal aus und schauen uns die Stelle genauer an. Eigentlich sind es zwei Stellen. Zuerst müssen wir durch einen kurzen Abschnitt, bei dem es ein sehr tief ausgewaschenes Loch im rechten Fahrstreifen gibt. Wenn wir da einfach durchfahren wird Pedro übel aufsetzen. Aber mit ein paar großen Steinen sollte das schon gehen. Danach kommt dann der matschige Teil, der erstmal harmlos aussieht, aber halt extrem rutschig ist. Den haben die anderen mit Hilfe der Schneeketten gemeistert. Wir sind gespannt.

Als wir noch so schauen kommt ein Mann, der uns erklärt er ist von der Municipalidad – also praktisch der Gemeindeverwaltung – angestellt um hier durchkommenden Fahrzeugen wenn nötig Hilfe zu leisten. Wow, wir sind erstmal beeindruckt. Wir sprechen mit ihm, wie wir wohl am besten hochfahren und er meint, wir könnten die Steine die hier rumliegen auch nehmen um das Loch zu füllen. Er würde uns auch dabei helfen, muss aber davor noch dokumentieren, dass wir da sind und was er tut um uns zu helfen.

Konkret bedeutet das, dass wir Steine schleppen, während er erstmal irgendein Dokument ausfüllt und dann vor allem viele Bilder mit dem Handy macht auf denen er so aussieht, als würde er uns helfen. Danach steht er an dem Loch und schmeißt die Steine die wir bringen meistens genau da hin, wo wir sie gar nicht haben wollen.

Als das Loch ausreichend präpariert ist diskutieren Delphine und ich nochmal die beste Spur und dann fährt sie Pedro ziemlich problemlos über diese erste Stufe nach oben. Das wäre geschafft, jetzt kommt der zweite Part. Unser „Berater“ meint, wir müssten anfahren, dann gleich in den zweiten Gang schalten und Vollgas geben. Da kennt er Pedro und seine 86 PS aber schlecht. Schneeketten brauchen wir auch nicht meint er. Naja, wir können es ja mal ohne versuchen. Delphine versucht es zweimal, dann ich noch einmal, aber es ist schnell klar, ohne Ketten haben wir hier keine Chance. Sonst hätten es die anderen ja gestern auch geschafft.

Also bekommt Pedro zum ersten Mal seit wir unterwegs sind die Schneeketten aufgezogen. Es gibt zwar keinen Schnee, aber wir haben sie ohnehin eher für solche Situationen wie hier mitgenommen.

Nach dem Anlegen der Ketten startet Delphine den ersten Versuch, der schnell im Matsch endet. Wieder erzählt unser Unterstützer, wir müssen ganz schnell in den zweiten Gang und dann Vollgas geben. Delphine versucht ein weiteres Mal ihm zu erklären, dass das bei einem so schwachen Fahrzeug wie Pedro einfach nicht geht. Die einzige Möglichkeit halbwegs schnell zu beschleunigen besteht einfach darin Vollgas zu geben und dann vorsichtig die Kupplung kommen zu lassen. Das ist nicht schön für die Kupplung, aber anders geht es hier leider nicht. Mit dieser Taktik kommt Delphine beim nächsten Versuch immerhin bis etwas zur Mitte der matschigen Wiese.

Nächster Versuch. Ich fahre. Ich gebe Vollgas, lass die Kupplung kommen – was wirklich schmerzt – starte mit stark schleifender Kupplung und fahre in die Wiese. Es geht hoch. Immer weiter und weiter bis… Ich bleibe an der gleichen Stelle hängen wie Delphine davor. Oder eher noch ein bisschen weiter unten.

Unser Berater nervt langsam mit seiner immer gleichen Leier. Zumal Er auf Spanisch auf Delphine einredet und ich auf Deutsch. Manchmal ist es glaube ich auch nicht so toll so viele Sprachen zu sprechen. Da kann man gleich mehrsprachig genervt werden.

Wir sind etwas frustriert. Wir verstehen ganz gut, wie die andren hier gestern drüber sind, aber die konnten eben unten genug Schwung holen um das hässliche Matschstück zu fahren, Pedro kann das einfach nicht.

Wir gehen nochmal die Strecke ab und diskutieren die Alternativen. Vielleicht sollten wir es doch mitten auf der total vermatschten Straße probieren. Die ist zwar noch nasser, aber dafür können wir unten etwas mehr Schwung holen, weil wir ein paar Meter mehr haben. Als unser Berater den Plan mitbekommt meint er, dass wäre ein super Plan, genauso müssen wir es machen. Scherzkeks. Unsere Meinung zu den öffentlich Angestellte in Argentinien sinkt mit seiner Anwesenheit leider minütlich.

Ich bin an der Reihe für diesen nächsten Versuch. Ich fahre soweit es geht zurück, dann kommt das übliche Spiel. Vollgas, Kupplung kommen lassen und so viel Schwung mitnehmen wie möglich. Es geht rauf auf der Matschpiste. Pedro wird langsame, aber es geht weiter. Etwa auf der Hälfte läuft Chocolate vor das Auto. Der kleine, nette Hund von unserem Helfer. Ich überlege kurz zu bremsen, verlasse mich aber dann darauf, dass die Hunde am Ende doch immer wieder auf die Seite springen. Und das tut er dann freundlicherweise auch. Es geht weiter, noch eine Kurve oben die ziemlich nass ist. Wenn ich das drüber komme haben wir es geschafft. Und es klappt tatsächlich. Ich bin super froh und  haue ein paarmal kräftig auf die Hupe. Wenn das nicht geklappt hätte, wäre der Alternativplan gewesen, es morgen früh nochmal zu versuchen, wenn alles hart gefroren ist. Aber jetzt können wir weiter.

Wir fahren noch ein paar Meter mit den Schneeketten durch den weichen Sand und machen sie dann ab. Der Pass danach lässt sich gut befahren und so kommen wir schnell auf die Passhöhe von etwa 4.000 Meter Höhe und fahren dann runter in Richtung Salar de Arizaro.

Unterwegs begegnen und wieder einige Vicunas und einer Gruppe wilder Esel. Am Ende der Strecke wird dann die Straße an einer Kreuzung deutlich breiter. Und auch welliger. Von hier ab sind wir wieder auf einer relativ häufig befahrenen LKW-Piste.

Unser Ziel heute ist der Eingang zu einer Lithium Mine. Hier kann man ganz offiziell stehen und ist den LKWs nicht im Weg. Den Cono de Arita sieht man von da aus auch schon sehr gut. Und was auch schön ist: Es gibt einen Container mit Toiletten und Duschen die wir benützen dürfen. Wir sind also mitten in der Wüste in den Bergen Nordargentiniens, haben hier einen ebenen Stellplatz, eine schöne, saubere Dusche und das Wifi der Mine dürfen wir auch noch mitbenutzen.

Und wieder bekommen wir die neuesten Infos von Kaja und Licia. Der nächste Abschnitt, sie sind heute bis Tolar Grande gefahren, ist wieder gut zu fahren und soll auch landschaftlich wieder sehr schön sein.

Bei dem ganzen erzählen über unsere Matschfahrt in Antofallita habe ich vielleicht nicht erwähnt, dass es wieder mal eine unglaubliche Landschaft war, durch die wir da heute fahren durften. Entlang des Salar Atnofalla mit der Laguna Verde und um uns rum viele hohe Berge in den unterschiedlichsten Farben. Wir sind gespannt, was wohl morgen kommt.

Weiter geht’s am nächsten Tag erstmal zum Cono de Arita. Dieser natürliche Kegel steht einfach so mitten auf dem Salar. Außen herum ist alles komplett eben und dann plötzlich dieser Sandhaufen. Der Weg nach Tolar Grande, unserem heutigen Ziel, führt zu einem großen Teil über den ganz flachen Salar Arizaro. An der Stelle, die dem Cono am nächsten ist machen wir eine Pause. Es führt auch eine Spur auf den Cono hinauf, aber wir auf dem Weg dahin steht ein Schild, dass den Aufstieg verbietet. Wir wissen nicht, ob wieder mal aus rechtlichen Gründen oder um den Cono nicht zu beschädigen. Entscheiden uns aber dafür es nicht zu versuchen. Stattdessen packe ich mal wieder die Drohne aus um das Ganze auch von oben zeigen zu können.

Meeresaugen und Sandwüsten

Und dann geht es erstmal sehr lange geradeaus und Bretteben über den Salar Arizaro. Gemäß Delphines Internetrecherchen der drittrö0te der Welt nach dem Salar de Uyuni in Bolivien und dem Salar Atacama in Chile. Allerdings ist es keine so glatte gelichmäßige Salzfläche wie man sie von Bildern des Salar de Uyuni kennt, sondern eher eine sehr bucklige Fläche. Um uns herum ist alles weiß und am Rand des Salar sieht man wieder einige sehr hohe Berge. Hier haben viele der Berge auch Schnee im oberen Bereich. Aber wir fahren weiter über das Salz in Richtung Tolar Grande. Zum Glück ist die Straße auch nicht direkt auf dem Salz, sondern aus Sand und Kies. Sonst wäre es wohl nicht so schön für Pedros Unterseite.

Die Fahrt geht recht zügig dahin und schon gegen Mittag kommen wir kurz vor dem kleinen Örtchen Tolar Grande, dem heutigen Tagesziel, vom Salar wieder auf sandigen Boden, bzw. sandige Umgebung. Neben uns sind jetzt auch die Gleise der ehemaligen Zugstrecke die hier vor fast hundert Jahren gebaut wurde. Als Tren de las Nubes wurde sie bekannt und wird auf einem kleinen Teilabschnitt auch heute noch für Touristen betrieben. Aber hier oben gibt es nur noch die alten Gleise, einig alte Telegraphenmasten und immer wieder ehemalige Stationen mit alten, verfallenen Lehmhäusern und manchmal auch dem einen oder anderen alten Wagon.

Kurz vor Tolar Grande geht es durch rundliche, rotbraune Gesteinsformationen. Das sieht aus, wie von Kindern in einem Sandkasten geformt, nur viel größer.

In Tolar Grande fahren wir erstmal kurz durch den Ort – eine Sache von wenigen Minuten – und schauen uns dann die alte Bahnstation an, wo auch noch ein einsamer alter Wagon rumsteht. Danach beschließen wir gleich mal einen kleinen Abstecher zu den Ojos de Mar zu machen. Den Augen des Meeres. Es sind wieder ähnliche Lagunen wie die Laguna Verde die wir gestern gesehen haben. Hier gibt es allerdings schon etwas mehr Infrastruktur. Es gibt einen Parkplatz und Hinweisschilder auf denen klar geschrieben ist, dass man nicht zu nahe an die Lagunen, geschweige denn in sie hinein darf und auch keine Zigarettenstummel oder sonstigen Müll dort liegen lassen darf um die Mikroorganismen in den Wasserlöchern nicht zu beschädigen. Als wir da sind kommt allerdings aus Richtung der Ortschaft ein großes, dreckiges Stück Styropor geflogen, das direkt in die Lagune fliegt. In Tolar Grande, wie auch in den meisten anderen Ortschaften hier, liegt haufenweise Plastikmüll auf verschiedenen Haufen, die zwangsweise irgendwann vom starken Wind hier oben in die Wüste getragen werden.

Wir laufen gemütlich entlang der „Ojos“ und machen viele Bilder. Die Namensgebung kann man gut nachvollziehen. Es sieht wirklich aus wie sehr kleine Abschnitte eines schönen grünblauen Meeres. Da die Sonne aber noch recht hoch steht, beschließen wir am nächsten Morgen, wenn wir auf unserem Weiterweg ohnehin hier vorbei fahren, nochmal einen Abstecher hierher zu machen und uns die Ojos nochmal im Morgenlicht anzusehen.

Zurück in Tolar Grande machen wir uns einen gemütlichen Nachmittag und Abend. Als wir um etwas zehn Uhr Abends nochmal zu einem anderen Schlafplatz im Ort fahren wollen will Pedro aber nicht. Er ist seit heute Nachmittag schon wieder zu sehr ausgekühlt und mag so nicht starten. Dank unserem Starthilfespray lässt sich das zwar leicht ändern, aber der Start klingt am Anfang sehr hart und wir bleiben lieber weiterhin bei der Methode ihn Nacht regelmäßig laufen zu lassen als ihn mit dem Spray zu quälen.

Am nächsten Morgen geht es nochmal vorbei bei den Ojos de Mar. Wie erwartet sehen sie nochmal anders aus als gestern. Was die bessere Zeit ist sie zu sehen lässt sich aber schwer sagen.

Danach geht’s wieder mal hoch in die Berge. Eines unserer Zwischenziele heute ist die Desierto Diabolo, die Teufelswüste. Ein relativ kleiner, aber sehr schöner Abschnitt der Wüste hier. Ich habe schon vor einigen Monaten einige Bilder davon gesehen und wollte da unbedingt hin, aber zunächst hatten wir nur Infos die eher sagten, dass das mit Pedro nicht ginge. Ums so mehr freut es uns, dass wir jetzt tatsächlich hier durchfahren können.

Um in die Wüste zu kommen müssen wir einen älteren Abschnitt der Straße nehmen. Für die LKWs gibt es inzwischen einen einfacheren neueren. Aber der führt neben der Desierto Diablo durch und geht auch nicht über die Siete Curvas, die sieben Kurven, die sehr steil von oben in die Wüste führen.

Schon auf dem Weg dahin gibt es gigantische Ausblicke über die rotbraunen Hügel die diesen Abschnitt der Wüste begrenzen. Dahinter sind einige, verschneite Sechstausender. Wir stoppen an einer schmalen Stelle der Straße mit schöner Aussicht, in der Meinung, dass hier eh niemand vorbeikommt. Um noch mehr zu sehen laufen wir durch den weichen Sand nochmal etwa 200 Meter weiter vor. Als wir da gerade ein paar Bilder machen hören wir wildes Hupen von hinten. Mist, da will wohl doch jemand vorbei. Mit zwei schweren Fotoapparaten um den Hals renne ich durch den weichen Sand zurück zu Pedro um Platz zu machen. Da wir hier aber auf einer Höhe von 3.800 Metern sind bereue ich meinen schnellen Sprint danach eine Weile. Ich brauche fast eine halbe Stunde, bis ich wieder halbwegs normal Atmen kann und nicht mehr ständig husten muss. Beim Fahren und im Alltag spüren wir die Höhe kaum noch, aber so ein Sprint braucht wohl noch eine deutlich bessere Akklimatisation.

Der nächste Stopp ist oberhalb der Siete Curvas. Hier sind wir direkt über der Desierto Diablo und haben einen super Ausblick. Ich bleibe hier um ein paar Fotos zu machen während Delphine die Serpentinen herunter fährt und schon mal durch die komplette Wüste, bzw. diesen kleinen Abschnitt der Teufelswüste fährt. Von oben sieht das ganze super aus, aber die Abfahrt über die teils sehr schräge Kurven mit Pedro ist wohl sehr spannend gewesen. Eng und schief. Aber Delphine bringt Pedro gut runter und am Ende treffen wir uns am Fuß der Seite Curvas wieder. Nach einer kurzen Kaffeepause mit gigantischem Ausblick fahren wir dann gemeinsam nochmal diesen schönen Part. Unterbrochen wieder von einigen Pausen um unter andrem auch die Drohne mal wieder über dem fahrenden Pedro filmen zu lassen.

Nach dieser super schönen Teufelswüste kommen noch weitere schöne Abschnitte wie ein kleiner Canyon und einige sehr schöne Felsformationen bevor wir gegen Abend nach Salar de Pocitos kommen. Der reine Industrieort, dessen Existenzberechtigung vor allem einige nahe gelegene Minen und große Photovoltaikkraftwerde sind ist aber so hässlich, dass wir beschließen gleich noch gut dreißig Kilometer weiter zu fahren, wo es laut iOverlander einen ganz netten Übernachtungsplatz an der alten Bahnlinie geben soll.

Als wir da ankommen ist es fast schon dunkel, der Platz ist dafür aber ganz nett und vor allem auch ein Stück von der hier wieder ziemlich stark befahrenen Straße weg. Als es Nacht wird mache ich wieder mal ein paar Bilder von Pedro unter den Sternen. Morgen wollen wir nach San Antonio de los Cobres, wo der spannendste Teil dieser Tour schon wieder vorbei sein wird.

Von hier an sind wir die komplette Strecke bis San Antonio mit vielen, sehr großen LKWs unterwegs. Die Straße ist zwar deutlich breiter, aber in einem ziemlich miesen Zustand. Die großen Reifen der LKWs machen ganz schön tiefe Rillen über die Pedro mit seinen kleinen Reifen fahren muss. Die Strecke ist sehr mühsam zu fahren und es gibt zwar ein paar schöne Ausblicke und ein paar hübsche Vicunas, es ist aber nicht mehr vergleichbar mit den großartigen Eindrücken der letzten Tage. Dafür kommen wir schneller voran und sind froh, als wir am Nachmittag in dem kleinen Städtchen San Antonio de los Cobres sind.

Und hier noch ein kurzes Video mit ein paar Drohnenaufnahmen von der Fahrt durch die Wüste:

Drohnenaufnahmen aus der Hochwüste in Argentiniens Norden

Von San Antonio durch die Kakteentäler nach Salta

In San Antonio müssen wir nochmal eine schwere Entscheidung über den nächsten Routenabschnitt fällen. Wir können entweder ganz entspannt über die asphaltierte Ruta Nacional 51 nach Salta fahren, oder über die altbekannte Ruta 40 über den fast 5.000 Meter hohen Pass Abra el Acay nach Cachi, einem kleinen Bergdorf zwischen Cafayate und Salta.

Katja und Julian sind vor ein paar Tage von hier aus genau über diesen Pass gefahren. Katja schickt uns auch wieder mal eine super Streckenbeschreibung. Die Höhe würde Pedro bestimmt schaffen, zumal die Auffahrt wohl in recht gutem Zustand ist. Aber auf der Abfahrt auf der anderen Seite müssen einige Flüsse durchquert werden. Die weiter oben sind teilweise vereist, die unteren nicht. Die beiden sind zwar im großen und ganze mit ihrem Ducato gut durchgekommen, aber teilweise war es wohl schon knapp und sie hatten auch den einen oder anderen Bodenkontakt. Sie haben aber auch etwa vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit als wir. Wir überlegen lange hin und her ob wir es wagen sollen. Aber wenn wir da oben hängen bleiben wird es ziemlich schwierig irgendwie weg zu kommen. Die Straße ist an einigen Stellen sehr schmal und es kommen nur sehr selten andere Fahrzeuge hoch. Internet gibt es natürlich auch nicht. Wir beschließen also schweren Herzens es lieber sein zu lassen und eventuell in ein paar Tage von Salta aus nochmal in Richtung Cachi und Cafayate zu fahren. Wir haben schon von vielen Leuten gehört, dass auch diese Gegend sehr schön sein soll und würden sie auch gerne sehen.

Als Ausgleich wollen wir dafür morgen versuchen, auf einen einfachen Fünftausender zu steigen der ein paar km nördlich von San Antonnio liegt. Lieder wird das vereitelt von einem etwas dreisten Hirten der in der Nähe des Ausgangspunktes in einem kleinen Häuschen wohnt. Als wir ihn sehen begrüßt er uns freudig und meint, wir können auch noch ein bisschen weiter hoch fahren bevor wir loslaufen. Er möchte nur ein bisschen Parkplatzgebühren haben. Als wir ihm ein paar hundert Pesos geben wollen sagt er aber, dass sein zu wenig. Er möchte umgerechnet fast fünf Euro. Die Parkgebühren hier, selbst in größeren Städten, liegen aber eher bei 20 bis 30 Cent. Die anderen Touristen würden auch so viel zahlen wenn sie da hoch wollen. Und dann behauptet er plötzlich, dass der die Hälfte von dem Geld ohnehin an die Municipalidad in San Antonio abgeben müsste. Das klingt alles sehr komisch. Wir sind nicht bereit das Spielchen mit zu spielen und ihm den Wucherpreis zu zahlen, er ist nicht bereit von seiner Forderung abzulassen. So beschließen wir hier umzukehren und den Berg sausen zu lassen und er bekommt gar nichts. Als er das versteht zieht er sich ohne ein weiteres Wort zurück und geht zu seiner Hütte. Wir drehen um und fahren, etwas genervt von dem Erlebnis, zurück in die Stadt. Klar könnten wir die von ihm geforderten Gebühren auch leicht zahlen um auf den Berg zu gehen. Aber wir wollen auch nicht, dass er so hohe Preise bekommt um Touristen auf ein Grundstück zu lassen, dass ihm wahrscheinlich nicht mal gehört. Das mit der Municipalidad bezweifeln wir arg und als wir in San Antonio nochmal genauer nachfragen wird uns auch bestätiget, dass der Herr überhaupt kein Recht hat irgendwelche Gebühren zu verlangen. Naja, einfach so das Auto stehen lassen, ohne etwas zu zahlen haben wir uns auch nicht getraut also können wir jetzt direkt in Richtung Salt starten.

Die Straße ist wie erwartet super schön zu fahren und bietet auch noch sehr schöne Ausblicke über die wieder mal sehr bunten Berge die hier mit vielen Kakteen bewachsen sind. Kurz nach San Antonio legen wir schon den ersten Stopp ein um zwischen einigen der bunten Felsen zur Bahnstrecke des Tren a las Nubes, dem Zug zu den Wolken zu klettern. Hier oben ist die Strecke zwar zeitweise für den Tourismus wiedereröffnet worden, aber seit ein paar Jahren fährt der Zug nur noch von San Antonio bis zu einem etwa 30 km entfernen Viadukt um dann wieder zurück zu fahren. So können wir ungestört ein paar hundert Meter dieses schönen Abschnittes direkt auf den Gleisen laufen.

Weiter unten im Tal gibt es dann immer wieder sehr schöne Bergblicke und so kommen wir wieder mal kaum voran. Statt wie geplant heute noch nach Salta zu fahren, parken wir an einer schönen flachen Stelle im Tal, auf total zerrissener getrockneter Erde, und machen ein kleines Feuer um heute mal wieder zu grillen. Der Platz ist übrigens wieder mal nur ein paar Meter von der Bahnstrecke entfernt die hier die meiste Zeit parallel zur Straße verläuft.

Am nächsten Tag machen wir noch eine interessante Erfahrung. Wir wollen in ein kleines Seitental wandern und werden zu Beginn gleich von einem jüngeren Manna auf einem Motorrad aufgehalten. Der Grund hier gehört einer indigenen Gemeinschaft und wir dürfen hier nicht einfach so wandern gehen. Aber wir bekommen die Erlaubnis, wenn wir irgendeine kleine Gabe an eine der Familien geben. Es kann zum Beispiel eine Packung Zucker oder irgendetwas anderes sein was wir gerade entbehren können. Wir können auch erst unsere Tour machen und dann zu seinem Haus kommen und etwas bringen. Das klingt für uns eher nach einem fairen Deal als der Wucherpreis gestern und wir sind gerne bereit etwas zu geben. Als wir von der sehr schönen kleinen Wanderung zurück kommen gehen wir zu Pedro und schauen was wir haben. Etwas von unserem braunen Zucker können wir auf jeden Fall entbehren, außerdem geben wir noch zwei Packungen Kartoffelbrei mit, den wir eigentlich für längere Wanderungen nutzen, aber gerade nicht brauchen und noch eine kleine Tafel Schokolade. Als wir zu dem Haus kommen, kommen uns gleich zwei Kinder entgegen die uns die Sachen abnehmen. Bei der Schokolade bekommen sie besonders große Augen. Da freut sich auf jeden Fall schon mal jemand. Ob es sich bei dieser Gabe im einen alten Brauch handelt, wie ich vermute, wissen wir nicht. Aber so haben wir auf jeden Fall gerne für die schöne kleine Wanderung bezahlt.

Weiter unten gibt es nochmal einen Halt als die Straße unter einer großen alten Eisenbahnbrücke durchführt auf der viele Leute laufen. Da will ich auch hoch. Also halten wir nochmal an und laufen über die Brücke, die zwar in keinem allzu guten Zustand mehr zu sein scheint, aber ein paar Spaziergänger wird sie bestimmt noch lange tragen. Dabei kommt uns der Gedanke, dass es auch sehr spannend sein könnte die 150 km von Salta nach San Antonio auf dieser alten Bahnstrecke zu wandern oder mit dem Mountainbike zu fahren. Aber wirklich in die Tat umsetzten werden wir diese Idee wohl eher nicht.

Schließlich kommen wir am Abend nach Salta wo dieser sehr schöne Abschnitt unserer Tour dann vorerst beendet ist. Wir konnten zwar nicht wandern, aber die Strecke war landschaftlich für uns einer der schönsten Abschnitte seit wir Patagonien verlassen haben.

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