Die Nationalparks Ischigualasto und Talampaya

Die Nationalparks Ischigualasto und Talampaya

Nördlich von Mendoza geht es immer mehr in wüstenähnliche Gegenden. Man nähert sich langsam der Atacamawüste in Chile bzw. der Puna in Argentinien. Die ersten Orte, die wir in dieser Richtung besuchen wollen sind die Nationalparks Ischigualasto und Talampaya. In Ischigualasto gibt es Fossile von Dinosauriern die dort schon vor mehr als 12 Millionen Jahren gelebt haben. In Talampaya gibt es vor allem schöne Felsen die an den Grand Canyon in den USA erinnern – wobei ich auch den nur von Bildern kenne. Wir sind auf jeden Fall gespannt was kommt. Und vorher wollten wir ja noch ein Weingut, bzw. eine Olivenölproduktion sehen. Also los.

Wein oder Olivenöl?

Wie schon erwähnt, gibt es in der Gegend von Mendoza viel Wein und viele Weingüter. Eigentlich gehört zu so einer Reise ein Besuch in einer Bodega dazu. Wir suchen uns also eine in der Nähe aus die nach verschiedenen Beschreibungen gutes Essen, guten Wein und eine kleine Führung anbietet und reservieren gleich mal für morgen Nachmittag. Reservieren kann man, aber irgendwann bekommt Delphine die Nachricht, dass sie erst am Wochenende wieder geöffnet haben. Also in vier Tagen. Solange wollen wir aber nicht mehr in Mendoza bleiben. Also suchen wir nochmal. Das Problem dabei ist, dass die meisten der bekannteren Bodegas etwa 80 km südlich von Mendoza liegen. Für den wahren Wein-Fan vielleicht nicht so weit, wir wollen aber nicht mehr so weit fahren nur um gut zu Essen und Wein zu trinken. Also beschließen wir statt einem Weingut die Produktion von Olivenöl bei Laur anzusehen. Angeblich eines der besten Olivenöle weltweit. Unsere Erwartungen sind hoch. Vor einem Jahr waren wir mit den Rädern im Süden von Italien unterwegs und haben es irgendwie geschafft zwölf Liter bestes Olivenöl in den Radtaschen mit dem Zug nach Hause zu transportieren. Das war aus der Gegend von Monopoly und unverschämt lecker. Mal sehen ob die Firma Laur da mithalten kann.

Mit hohen Erwartungen kommen wir also – ca. zwanzig Minuten zu spät – zu unserer Führung. Wir erfahren einiges über die Produktion des Olivenöls und den Anbau der Oliven. Vor allem sehen wir, wie früher das Öl gepresst wurde. Heute geht das alles in komplett mit Edelstahl verkleideten Maschinen. Es ist ganz interessant, wir hätten aber etwas mehr erwartet. Am Ende gibt’s dann eine Verkostung mit verschiedenen Ölen, zwei Sorten guten Balsamico Essig und einem Wein, den sie hier auch seit ein paar Jahren produzieren. Die Öle sind alle sehr gut, aber wir mögen unser italienisches Öl noch lieber. Der Essig ist auch lecker und der Wein auch. Alles in allem ein lohnenswerter Ausflug. Wir kaufen am Ende noch einiges an Olivenöl um die nächsten Monate erstmal mit gutem Öl versorgt zu sein und machen uns wieder auf in Richtung Mendoza. Auf dem Weg dahin machen wir noch bei zwei Bodegas kurz Halt um vielleicht noch was zu essen zu bekommen. Die eine macht aber schon bald zu und die andere ist für unseren Geschmack etwas zu schick. Zum Essen muss man eh reservieren und Wein verkosten dürfen wir, aber wir bekommen einen frisch geöffneten Rotwein der keine Zeit zum Atmen hatte und gleich so viel, dass wir gar keinen anderen mehr probieren wollen. Wir müssen ja noch fahren.

Was solls. Es war ein netter Ausflug und guten Wein findet man in Argentinien und Chile praktisch überall. Und für mich ist es eh die beste Methode Delphine den Wein kaufen zu lassen, die weiß inzwischen besser was mir schmeckt als ich.

Nach einer weiteren Nacht in Mendoza, diesmal ganz unschön aber praktisch auf dem riesigen Parkplatz eines großen Einkaufszentrums, verlassen wir die Stadt in Richtung Norden und fahren zum Nationalpark Ischigualasto. Die Landschaft ändert sich relativ schnell und bald ist es um uns herum sehr trocken und die Bäume weichen immer mehr Kakteen und dornigen Büschen.

Als wir an einer kleinen Hütte übernachten, die umgeben ist von einigen Marienschreinen, kommt abends plötzlich ein LKW-Fahrer und klopft an unsere Tür. Er fragt uns ein bisschen was wir so treiben und wohin wir wollen und gibt uns dann ein paar Packungen Joghurt und Würste. Er arbeitet für einen Großhändler und verschenkt gerne ein bisschen von der Ware die er da transportiert. Wir sehen zwar gleich, dass es eher nicht unseren Essgewohnheiten entspricht was er uns da gibt, freuen uns aber trotzdem über die nette Geste. Und er meint selbst noch, dass wir es auch gerne weiter verschenken können. Also geben wir ihm im Gegenzug noch ein paar Kekse die wir sehr lecker finden und freuen uns, dass es solche Begegnungen gibt. Den Joghurt essen wir die nächsten Tage, über die Würste freuen sich verschiedene Hunde auf dem Weg.

Auch Condore sehen wir hier wieder einige. Ein ganzer Schwarm von über zwanzig der Riesenvögel sitzt sogar einmal am Straßenrand um einen toten Esel zu verspeisen. Aber leider fliegen sie weg als wir in die Nähe kommen und kehren auch nicht mehr zurück. Trotzdem können wir sie immerhin noch eine ganze Weile beobachten wie sie über der Straße kreisen und nach neuem Essen Ausschau halten.

Nationalpark Ischigualasto

Am Abend kommen wir schließlich am Eingang vom Nationalparks Ischigualasto an, wo wir auch direkt übernachten können.

Den Park dürfen wir nur mit einer Führung besuchen. Man kann entweder in einem Kleinbus, oder mit dem eigenen Auto in einer Autokarawane in den Park fahren und der Führer hält an verschiedenen Stationen um einiges zu erzählen. Trotz des dadurch etwas strickten Zeitplans haben wir genug Zeit uns ein bisschen umzuschauen und auch reichlich Bilder zu machen bevor es jeweils wieder weitergeht. Was auch hier wieder mal auffällt: Alle machen viele Fotos, aber wir haben oft das Gefühl, dass wir die einzigen sind die viele Bilder von der grandiosen Landschaft machen, die meisten legen scheinbar mehr Wert darauf auf jedem Bild im Vordergrund zu sein. Tja, ein paar Selfies von uns gibt’s natürlich am Ende auch.

Im Park gibt es zum einen die unterschiedlichsten Felsformationen zu sehen, zum anderen die bereits vorher erwähnten Fossilien von sehr, sehr alten Dinosauriern. Eigentlich interessieren uns die Fossilien zuerst gar nicht so, aber nachdem wir sie gesehen haben und im dazugehörigen Museum noch einiges dazu gelesen haben sind wir doch ziemlich fasziniert von der Vorstellung, dass hier vor mehr als 12 Millionen Jahren schon Lebewesen gelebt haben. Der Guide macht auch bei den verschiedenen Stationen nochmal deutlich darauf aufmerksam, wie lange die Dinosaurier auf der Erde gelebt haben und wie kurz und irrelevant im Vergleich die gerade erst etwas entwickelte Menschheit ist. Und er macht auch darauf aufmerksam, wie schnell es die Menschheit geschafft hat unser Klima so radikal zu verändern wie das in diesen vergangenen zwölf Millionen Jahren nur Meteoriteneinschläge geschafft haben, aber keine natürlichen Klimaänderungen. Zum Abschluss motiviert er seine Landsleute auch noch dazu, doch mal über all das Plastik am Straßenrand nachzudenken das hier leider sehr oft einfach nur aus dem Auto geschmissen wird. Die meisten Leute denken scheinbar kaum darüber nach, weil es ja so unfassbar viel unberührte Natur hier gibt, dass sie sich nicht vorstellen können, dass ein bisschen Plastik da was macht. Aber als der Führer meint, dass wir es wohl auch bald geschafft haben das Grundwasser so mit Mikroplastik zu versauen, dass man es nur noch gut gefiltert trinken kann, wirken einige der Besucher doch erstmal etwas nachdenklich.

Nach der Tour schauen wir uns noch das zugehörige Museum an und fahren dann weiter zum nächsten Nationalpark: Talampaya.

Nationalpark Talampaya

Auch in diesen Park kann man nur mit geführten Touren. Die fahren mit großen Bussen in den Hauptcanyon und machen an drei oder vier Stellen Halt um bisschen was zu sehen. In der Luxusversion gibt’s dann noch einen Stopp mit Sekt und Häppchen. Wir wollen aber nix Essen, sondern den Park sehen. Wir finden einen Anbieter der eine vierstündige Wanderung durch den Park im Programm hat. Das klingt schon sehr viel besser als wieder mit dem Auto herum zu fahren. Und wir haben Glück: Unser Führer ist auch nach vielen Jahren in dem Job immer noch so begeistert von dem Park, dass er sich sehr viel Zeit nimmt zu erzählen und alle Leute in Ruhe schauen zu lassen. Am Ende sind wir fast sechs Stunden unterwegs und haben viele Ecken von dem Park gesehen, die mit den großen Bussen gar nicht zugänglich sind.

Die Gruppe mit der wir Wandern besteht aus zwölf Leuten plus den Guide. Wir werden auch erstmal mit dem Bus vom Parkeingang bis zum Beginn des Canyons gebracht und gehen von da zu Fuß los. Aber statt durch den großen Canyon zu laufen geht es links davon erstmal sehr lange durch kleine Schluchten in denen viele rote Sandsteinformationen zu sehen sind. Außerdem bekommen wir einen Menge Pflanzen und deren traditionelle Nutzung von unserem Führer erklärt. Mit bei der Tour sind auch Max und Bea. Max ist aus Deutschland bzw. Österreich und Bea aus Spanien. Gelebt haben die beiden die letzten Jahre aber in Irland. Und bevor sie sich dann in Zukunft in Deutschland, vielleicht auch in München, niederlassen bereisen sie erstmal noch für ein paar Monate Südamerika. Wir haben sehr nette Gespräche und verabreden uns am Ende dann dazu, uns hoffentlich irgendwann mal in München wieder zu treffen.

Bei Cookie in Famatina

Nach diesen zwei Ausflügen sind wir erst recht scharf darauf, noch mehr Wüstenlandschaften und Canyons zu sehen. Unser Führer in Talampaya hat noch von zwei schönen kleinen Schluchten erzählt die ohnehin auf unserem Weg liegen. Am Eingang der ersten übernachten wir und erkunden sie am nächsten Morgen ein bisschen. Es gibt ein paar sehr schöne Gumpen, die bei höheren Temperaturen zum Baden einladen würden, aber das ist uns leider zu kalt. Wir kraxeln über zwei der Gumpen nach hinten, danach geht es nur noch durchs Wasser weiter, also kehren wir wieder um. Am Eingang zu der Schlucht stehen auch wieder einige große Kakteen rum. Wir sind immer wieder begeistert von den stacheligen Ungetümen die hier oft mehrere Meter hoch wachsen und zum Teil mehrere hundert Jahre alt sind.

Die zweite Schlucht ist etwas länger und kann von der Straße aus leicht erreicht werden. Wir laufen ziemlich weit in dem ausgetrockneten Flussbett unten in der Schlucht runter. Bis zu einem sehr schmalen und steilen Felsdurchgang. Hier geht es leider einige Meter fast senkrecht runter, also müssen wir umkehren. Weil wir aber zu faul sind die ganze Schlucht wieder hochzulaufen beschließen wir an der Seiter direkt wieder zur Straße hoch zu klettern. Sieht gar nicht schwer aus. Aber je höher wir kommen desto brüchiger und steiler wird der Fels. Mist. Also doch wieder abklettern. Vielleicht geht’s ja woanders. Nach zwei weiteren Versuchen finde ich tatsächlich noch einen alternativen Ausstieg und komme oben auf der Straße zu Pedro zurück. Delphine hatte irgendwann keine Lust mehr auf Experimente und braucht auf unserem Hinweg auch nur ein paar Minuten mehr. Aber wir haben zumindest mal wieder ein bisschen Sport gemacht. Das Problem beim Reisen mit dem Wohnmobil ist, dass man im Reisealltag halt oft einfach nur von einem Punkt zum nächsten fährt und sich viel Sachen anschaut, aber, wenn man sich wirklich bewegen will muss man immer wieder gezielt Möglichkeiten suchen wo man mal eine schöne Wanderung machen kann. Hier oben im Norden ist es gar nicht so einfach da etwas zu finden, weil es oft gleich sehr große Entfernungen sind die man überwinden muss um zu Fuß oder mit dem Rad irgendwo hin zu kommen. Aber spätestens in Bolivien gibt es dann wieder eine Menge zu Fuß zu unternehmen.

Auf der Suche nach dem nächsten Übernachtungsplatz lesen wir vom Hostel von Cookie in der Nähe von Famatina. Der hat nicht nur ein Hostel, sondern betreibt auch eine Gleitschirmschule. Wir sind neugierig und fahren bei ihm vorbei. Als wir ankommen stehen schon ziemlich viele Autos mit Drachen auf den Dächern vorm Haus. Wir gehen rein und werden gleich vom Chef persönlich begrüßt. Wir können mit Pedro bei einigen anderen Campern vorm Haus stehen und die Duschen und die Gemeinschaftsküche mitbenutzen. Morgen müsste außerdem der Wind im nahe gelegenen Fluggebiet passen und wir können mit ihm zum Startplatz fahren. Super. Wir machen also einen Tag Pause und haben am Ende einen zwar nur kurzen, aber schönen Flug über der Pampa. Am Abend grillt Cookie dann noch für alle Gäste ein Schwein und kocht einen riesen Topf Gemüse. Vor dem Essen gibt es wieder mal eine kleine Musiksession mit David, dem Onkel von Cookie der auf fliegt und Gitarre spielt.

Am nächsten Tag überlegen wir noch, ob wir nochmal für einen Flug bleiben. Aber es ist halt Winter und die Chancen auf einen längeren Flug eher gering. So fahren wir weiter nach Fiambala wo uns ein Besuch der Thermen sehr empfohlen wurde.

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